!!! Die Links in diesem Dokument stammen von der AGOE/pampa !!!
Die Links verweisen einerseits auf unsere Papiere, aus denen das ak:a zitiert. Andererseits führen Links zu einigen Hintergrundartikeln auf unsere Website.
Originalfassung des ak:a_Briefes ohne unsere Links hier klicken

autonomes kollektiv c/o Buchladen Rote Strasse
Nikolaikirchhof 7, 37073 G�ttingen

aka@puk.de
 

 

Deutsche Fu�truppen der Intifada - offener Brief an die Pampa


Wie k�nnte Euch jemand Euer Treiben �bel nehmen? Ihr wollt doch nur Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Kritik und sonstiges Zeugs, das Disharmonie hervorrufen k�nnte, habt ihr abgestreift, �briggeblieben ist scheinbar ein Pazifismus, der sich als Antimilitarismus nur mehr tarnt: "Unsere Solidarit�t gilt ausschlie�lich denen, die Opfer und Gegner dieser nationalistischen Politik sind. F�r das Leben aller Menschen in Israel und Pal�stina" (alle kursiven Passagen sind Zitate von Euch). So hei�t es in Eurem Flugblatt, dass Ihr auf unserer Kundgebung gegen Antisemitismus und f�r Israel am 24. April verteilt habt. [Unser Flublatt (html)  (pdf)] Alle seien irgendwie Opfer der nationalistischen Politik beider Seiten, man m�sse mit denen solidarisch sein, die damit aufh�ren wollen. Toll! F�r das Leben, gegen das Sterben, seid nett zueinander! Eine Forderung, die wohl alle unterschreiben w�rden, schon ob ihrer nicht mehr zu �bertreffenden Harmlosigkeit.

�quidistanz scheint angesagt bei Euch, moralisch steht Ihr immer auf der richtigen Seite, n�mlich auf der der Unterdr�ckten. Wir dagegen betrieben "linksnationalistische Kriegspropaganda", erg�tzten uns an den Toten, am Blut und den Tr�nen der Pal�stinenserInnen, und das Ganze auch noch "unter Polizeischutz". Klar: ohne die Bullen h�tten uns die zwei aufrechten Friedensfreunde Einhalt geboten und G�ttingen vor der Zumutung gerettet, dass sich jemand �ffentlich mit Israel solidarisiert. So aber seht Ihr Euch gezwungen, das ganze Geschwafel von den armen Opfern auf beiden Seiten fallen zu lassen und auf Eurer Homepage mal zu erkl�ren, wer die wahren Schuldigen sind: die Zionisten, beziehungsweise ihr Staat und seine Freunde, also die "Achse Israel/USA". Und wenn schon Achsenm�chte am Start sind, darf Deutschland nicht fehlen, als der "zweitst�rkste Verb�ndete Israels".[Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Mit allen salbungsvollen Friedensreden ist Schluss, Ihr lasst die Katze aus dem Sack. Beim Griff in die antizionistische Mottenkiste seid Ihr nun offenbar in den untersten Schichten angelangt, der kritische Blick kommt Euch vollends abhanden. [Zug�nge zum Nahostkonflikt: Soziale Konflikte in Israel - AGOE-Papier (PDF)] Nur so jedenfalls ist zu erkl�ren, wie Ihr zu derartigen Schl�ssen kommt: "Die USA �bernehmen quasi die diplomatische Deckung der israelischen Aktionen, die voll im Interesse der USA liegen, weil die USA damit den Krieg gegen weitere Staaten insbesondere den Irak vorbereitet." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Eine veritable Verschw�rungstheorie pr�sentiert Ihr den LeserInnen Eurer Homepage. Israel f�hrt seine Milit�rschl�ge keineswegs gegen pal�stinensische suicide-bombers, nicht mal gegen den Terror,[ vgl. dazu: Uri Avnery, Das wirkliche Ziel, unsere Übersetzung (PDF)  Original (html)] sondern um den Einmarsch in den Irak vorzubereiten. Nichts ist so, wie es scheint, hinter allem steckt etwas ganz anderes, n�mlich imperialistische Interessen, deren Relevanz f�r Israel Ihr einfach unterstellt. Da muss nichts mehr hergeleitet werden: Das ist wohl das, was man in Euren Kreisen unter Materialismus versteht. Auch wenn Ihr Euch den Jargon des 70er-Jahre-Antiimperialismus weitgehend verkneift, kommt inhaltlich doch nichts anderes als das heraus, was wir seit Anfang der 90er f�r erledigt gehalten hatten: Israel ist f�r Euch nichts als der Br�ckenkopf der USA, ein Staatengebilde, das nur dazu diene, die arabischen V�lker zu unterdr�cken. "Eine Gegen�berstellung der milit�rischen Potentiale von Israel und den arabischen Staaten w�rde zeigen wie realistisch es ist, da� Israel Herrschaft �ber gro�e Teile des Nahen und Mittleren Ostens aus�ben kann. Israels Existenz ist in keiner Weise gef�hrdet, vielmehr wird Israel als die Gro�macht der Region aufgebaut." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Da braucht es keinen Abgleich mehr mit der Realit�t, mit der Tatsache, dass Israel sich vor gerade mal zwei Jahren bereit erkl�rt hatte, sich aus 98% der besetzten Gebiete zur�ckzuziehen - eine Verhandlungsposition, die Arafat mit der Intifada beantwortet hat -, dass es selbst jetzt noch und selbst unter Sharon einen pal�stinensischen Staat anbietet, dass es sich nach dem Friedensvertrag mit �gypten - f�r den Sadat von Islamisten ermordet wurde - aus dem Sinai und ohne jede Garantie aus dem Libanon zur�ckgezogen hat. [80 Thesen f�r ein neues Friedenslager, ein Entwurf von Gush Shalom, These 70] Israel hat in Eurem Weltbild der Aggressor zu sein, der den Nahen Osten unterjochen will. [Achim Rohde, Das Primat des Milit�rischen (PDF)] Kein Gedanke wird an die Konstitutionsbedingungen des israelischen Staates als praktischer Gegenwehr gegen den Antisemitismus verschwendet, [Zug�nge zum Nahostkonflikt: Soziale Konflikte in Israel - AGOE-Papier (PDF)] keine Buchstabe f�r die Banalit�t geopfert, dass Israel seit seiner Gr�ndung - nicht nur - von seinen Nachbarn mit Vernichtung bedroht wird. Auschwitz kommt bei Euch nur als rhetorischer Trick vor. "Ist der Staat Israel infolge der Shoah entstanden oder ist diese Deutung nur ein ,Gr�ndungsmythos' mit besonderer Schutzfunktion?" [Ist der Staat Israel infolge der Shoah enstanden? - AGOE-Papier.] Dieser Satz ist ein handfester Skandal und eine bodenlose Unversch�mtheit dazu: [80 Thesen ...] Der Holocaust ein nationaler "Gr�ndungsmythos" wie die Schlacht im Teutoburger Wald, der Antisemitismus vermutlich reine Paranoia. Ihr tarnt diese Behauptung nur als Frage, die Antwort habt Ihr Euch schon l�ngst gegeben. Und erschlagt damit die entscheidende Differenz, die Israel zum Besonderen unter den Nationalstaaten macht, mit demonstrativer Erkenntnisverweigerung.

Gleichzeitig, und in nur scheinbarer Paradoxie zur Missachtung der Differenz, macht Ihr den Staat der Juden zum "Juden unter den Staaten". Alle Unterdr�ckung, alles Elend in der Region, macht Ihr an Israel fest,[80 Thesen ...] mit Herrschaft habt Ihr kein Problem, nur mit "Fremdherrschaft", vor allem, wenn sie von Israel ausge�bt wird. Eure vorgebliche Sorge um die Pal�stinenserInnen ist in Wahrheit nur das Ressentiment gegen Israel. [Jochen Hippler: Ein trojanisches Pferd - Hamas und die Hinterm�nner (PDF)] W�rde die Unterdr�ckung dieser Menschen von der Autonomiebeh�rde unter General Arafat organisiert - also ganz "selbstbestimmt" -, w�ren sie Euch keines Wortes mehr w�rdig, wie jetzt schon die eine Million Menschen, die im Irak dem faschistischen Terror der Baath-Partei zum Opfer gefallen sind, nur dann in Eurer Argumentation auftauchen, wenn man sie als Embargo-Opfer der USA deklarieren kann. [80 Thesen ...] Aber Ihr habt Euer Feindbild gefunden, lasst Euch durch kein Argument mehr irritieren. Und befindet Euch damit - aller pseudo-kritischen Attit�de zum Trotz - im Boot mit der V�lkergemeinschaft, die von der EU bis zur UN, von Arundhati Roy bis zu Norbert Bl�m, die gleichen Ressentiments pflegt. Von Vernichtungskrieg reden sie und vom Geist von Auschwitz, der �ber Djenin schwebe. Fehlt noch, dass ihr pl�tzlich anfangt, Staatlichkeit zu kritisieren, wie so viele Eurer antizionistischen KollegInnen pl�tzlich Ihre Affinit�t zum Antinationalismus entdeckt haben. Da werden dann auf einmal alle Staaten abgelehnt, und - rein zuf�llig - auch Israel. Freilich nicht, ohne im n�chsten Satz zu betonen, dass die Gr�ndung eines Staates Pal�stina notwendige Voraussetzung des Friedensprozesses sei. "So spricht die Weltgemeinschaft und schweigt �ber Ruanda, schweigt �ber die H�lle im Kongo oder die Pogrome in Indonesien. Und redet von Israel", schreiben Wertm�ller und Pankow in der konkret �ber die antizionistische Welle. ["Konkret im Krieg -Wer ist der Antideutscheste im Land?" - Gegenstandpunkt (PDF) HTML]

Euch aber fehlt jede Wahrnehmung f�r das anti-israelische und antisemitische Ressentiment, das in Europa und besonders in Deutschland herrscht, Ihr kennt keine antisemitischen �berf�lle in Berlin, keine brennenden Synagogen in Marseille. Ihr schreibt nichts �ber die Aufrufe der ach-so-fortschrittlichen PFLP, Juden weltweit anzugreifen, Ihr wollt nichts h�ren von den Ausf�llen eines M�llemann,[Moshe Zimmermann, Ein Frage der Haltung (PDF)] der sich schon mit Bombeng�rtel in einem israelischen Caf� w�hnt. Statt dessen ist ausgerechnet Deutschland, f�r das Israel doch nichts ist, als eine Erinnerung an sein Menschheitsverbrechen, und das deshalb die Autonomiebeh�rde in einem Ma�e finanziert, wie kein anderer Staat dieser Welt, f�r Euch die dritte "Achsenmacht". Als h�tte nicht Deutschland den Rundfunksender "Stimme Pal�stinas" mitfinanziert, der tagt�glich kleine Kinder zum M�rtyrertod aufhetzt, als w�re es nicht Deutschland gewesen, das mit seinem Plan einer UN-Intervention die Aush�hlung der Souver�nit�t Israels betreibt. Und als h�tten nicht deutsche Geheimdienste bis weit nach Beginn der Al-Aksa-Intifada die "Sicherheitskr�fte" der PA ausgebildet, die mit ihrem Know-How heute den Terror unterst�tzen. Statt dessen findet Ihr Euch in der Rolle der verfolgenden Unschuld wieder: [80 Thesen ...] "Aus Sicht Israels [muss] sowohl in USA als auch in Deutschland die Kritik an Israel unterbunden werden. Dies ist in Deutschland umso leichter m�glich, weil hier jede Kritik an Israel als ,antisemitisch' bezeichnet werden kann und damit Kritiker Israels mit Nazis in eine Reihe gestellt werden. Die BRD wird so f�r die Gro�machtfunktion Israels in die Pflicht genommen." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)]Ausgerechnet Deutschland, das Land, in dem 73% der Bev�lkerung die israelische Politik f�r ein Verbrechen halten, w�hnt Ihr also als Opfer einer j�dischen Meinungsdiktatur, die den Leuten verbietet, zu Denken, was sie wollen. Und mit was arbeiten die Juden mal wieder? Mit der "Antisemitismuskeule"! Ein Gl�ck, dass die Deutschen schon immer wussten, was ein wahres Volk von einem zionistischen Staatengebilde unterscheidet, und die j�dischen Unterminierungsversuche deshalb auf taube Ohren sto�en: "Dagegen r�hrt sich allerdings aller Orten Kritik, die in der Position m�ndet ,Man k�nne sehr wohl Israel kritisieren ohne antisemitisch und rassistisch zu sein'". Frisch, fromm, fr�hlich, frei wie einst Turnvater Jahn, so ruft Ihr es aus: Ja, Israel ist das �bel, und wir genieren uns gar nicht, das zu sagen, auch wenn der Jude es uns verbieten will! [ Uri Avnery, Das wirkliche Ziel, unsere Übersetzung (PDF)  Original (html)]

Das ist mutig, das ist echtes Deutsches Heldentum vom Schlage eines Martin Walser, also "zitternd vor K�hnheit". Als Leute, die von klaren Worten viel halten, k�nnen wir damit mehr anfangen, als mit dem Pseudopazifismus aus Eurem Flugblatt. Nichts mehr zu w�nschen �brig l�sst die Definition der "Aufgaben und Ziele" Eurer �ffentlichkeitsarbeit: es geht Euch darum, "eine Position zu finden, die Israel kritisiert aber sehr deutlich macht, da� dies [...] in keiner Weise etwa mit dem Antisemitismus-Vorwurf abgeblockt werden kann". [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Also nicht etwa, eine Position zu finden, die keinen Antisemitismus mehr transportiert, sondern nur eine, die sich gegen dahingehende Kritik immun macht. Israel ist Euer Problem, die Pal�stinenser sind Eure Hoffnung. Ihr stellt Euch auf die Seite des v�lkischen Aufstands gegen den Staat, der die notwendige Konsequenz aus Auschwitz ist. Ihr seid der real-existierende Beweis f�r die fatalen Allianzen, die das Deutschtum mit seinen Linken eingehen kann; Ihr seid deutsche Fu�truppen der Intifada. ["Konkret im Krieg -Wer ist der Antideutscheste im Land?" - Gegenstandpunkt (PDF) HTML]

Eure "linksnationalistischen Kriegstreiber" vom [a:ka]