(j. f. 17/9/01)

US-Kreuzzug gegen den Terrorismus

Es geht darum, ein paar nicht von moralischer Betroffenheit bestimmte Feststellungen zu dem Attentat in Amerika zu treffen. Wem der Zirkel einf�llt, da� die Amerikaner bisher den Anspruch hatten, da� so etwas bei ihnen zuhause nicht passiert, weshalb sie jetzt entsprechend reagieren, so bedarf dieser Zirkel der Erl�uterung. Was n�mlich ist 1) das �so etwas�, wer sind 2) �die� bzw. ihr Motiv, das nicht gelten lassen zu wollen; was ist schlie�lich 3) ein solcher Anschlag f�r eine Aktion?

- Der Anschlag auf die Geb�ude in New York und Washington galt dem Anspruch der USA, mit seinem Gewaltapparat f�r die Sicherheit dieser Geb�ude zu sorgen und die �ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, was nicht gelungen ist. Die USA haben daraufhin den Terrorismus als Feind ausfindig gemacht und bem�hen sich nun, ihn zu liquidieren.

Die Definition von Terrorismus und die Bem�hungen, ihn zu liquidieren, betrifft die zweite H�lfte der Aff�re, n�mlich die amerikanische Reaktion. Zun�chst aber geht es um die Erkl�rung von dieser Sorte Angriff auf den amerikanischen Anspruch, f�r den das World-Trade-Center seinem Namen nach steht, n�mlich den Welthandel organisiert abzuwickeln; bzw. auf den Anspruch, f�r den das Pentagon steht, n�mlich die Welt milit�risch im Auge und unter Kontrolle zu halten.

- Die Ereignisse haben gezeigt, da� die USA beides nicht, jedenfalls nicht l�ckenlos zu gew�hrleisten verm�gen.

Aber es geht hier ja nicht um eine Art Mensch-�rgere-dich-nicht-Spiel, bei dem getestet wird, ob die USA wirklich so toll sind, wie sie immer behaupten. Es bedarf der Erkl�rung, sonst ist man gleich in dem Umkreis von den �kranken Hirnen� (Au�enminister Fischer), da� da einer einfach einmal was probiert. Das oben Gesagte kann man noch durchaus in die Richtung auffassen, da� es da verr�ckte Terroristen gibt, die mal was probiert und damit Amerika blamiert haben. So etwa denkt das der amerikanische Pr�sident auch und sagt, da� es bei dieser Blamage nicht bleiben darf, weshalb er dann gleich praktisch damit zugange ist, wie man diese Blamage ausb�gelt. Da� er das als Nachweis amerikanischer Schw�che, eben als Blamage des US-Ordnungsanspruchs betrachtet, ist ja offenkundig das Motiv f�r seine Reaktion. Vor der Reaktion aber soll zun�chst die Aktion selbst erkl�rt werden.

Wer bzw. was sind die Feinde der amerikanischen Weltordnung?

- Grund f�r die Aktion ist wohl, da� f�r ihre Urheber die USA insofern ein Feind sind, weil sie der Besch�tzer von Israel sind. An dem Datum des Anschlags, am 11. September 1922, wurde Pal�stina zum britischen Protektorat, woran man sieht, da� die T�ter an der Rolle der USA heute eine ziemlich platte und falsche Kritik haben. Man hat sich offenbar von dem Anschlag eine Signalwirkung oder eine Aufbruchstimmung versprochen oder wollte einfach nur zur�ckschlagen.

Richtig an der Darstellung ist, da� auf ein politisches Motiv verwiesen wird, das dahinter steckt. Ob es dabei speziell um Pal�stina geht, ist an der Aktion selber gar nicht zu ermitteln � man mu� sich ja anhand des Datums einen Vers darauf machen. Nicht einmal das geht aus der Tat hervor, da� sie sich gegen die USA als Besch�tzer Israels richtet. Das kann man vermuten und geh�rt sicher auch in die Rechnung hinein. So abstrakt, wie diese Tat ja selbst ist � was w�re denn die Fassung, die man dem mutma�lichen Motiv dieser Attent�ter geben m��te? Das es mit Pal�stina/Israel zu tun hat, ist an dieser Tat selber so schwer oder genau genommen gar nicht zu erkennen. Was aber ist denn an ihr zu erkennen?

- Es ist doch dabei ein Gegner der USA unterwegs, der es mit dem Weltordnungsanspruch Amerikas zu tun hat, mit ihm nicht einverstanden ist, sich gegen ihn wehren will und dabei sagt, da� dies mit dem Mittel der Gewalt zu passieren hat, wobei ihm dahingehend nur sehr trostlose Mittel zu Verf�gung stehen. Mit �trostlos� ist gemeint, da� es sich hier nicht um einen Staat handelt, der eine wirksame Gewaltmaschinerie aufzubieten hat, sich mit Amerika anlegen will und sich daf�r noch Verb�ndete sucht, sondern der T�ter mu� sich f�r seinen singul�ren, terroristischen Angriff selbst opfern.

- Aber �terroristisch� ist dabei doch die Definition Amerikas, die all das, was ihnen nicht pa�t, als kriminell definiert. Richtiger ist es doch, die Aktion als eine nachhaltige Demonstration zu kennzeichnen.

Die Aktion geht schon ein wenig �ber eine Demonstration hinaus, denn es wurden immerhin zwei gro�e Geb�ude mitsamt 5000 Leuten darin und dann auch noch ein bi�chen das Pentagon zerst�rt. Das hat schon ein andere Qualit�t als eine Demonstration. Was da das Stichwort �Terrorismus� erkl�rt, w�re auch noch zu erl�utern. Zun�chst geht es um die obigen Hinweise, was sich bei einer solchen Aktion abspielt. Von ihnen ist in der �ffentlichkeit nicht so die Rede, weil die Verurteilung der Sache alle Beurteilungen einstweilen erschl�gt. Mit der Antwort auf die Frage: �D�rfen die das?!� und das gro�e �NEIN! � das d�rfen die selbstverst�ndlich nicht!� ist eigentlich die �ffentliche Diskussion dar�ber abgeschlossen. Dann wird dieses Urteil �Das haben sie �berhaupt nicht gedurft� elaboriert, wobei �Verbrechen�, �krank� etc. kommt. Aber dem mu� man sich ja nicht unbedingt anschlie�en und von der Verurteilung einen Schritt zur�cktreten, um diese Aktion zun�chst einmal danach zu beurteilen, was aus ihr hervorgeht. Oben wurden dazu zwei eigentlich banale Hinweise gegeben, die aber verdienen, da� man sie festh�lt. Banal ist zum einen die Feststellung, da� Amerika glatt Feinde auf der Welt hat. Es gibt ganze Staaten, aber auch politisierende Gruppen innerhalb sehr vieler Staaten, die sich durch Amerika in ihren Interessen, was sie auf der Welt darstellen, anrichten und ausrichten wollen, beschr�nkt und gedem�tigt f�hlen. In den zahlreichen Talkshows nach dem Ereignis war einiges hinsichtlich der Stellung Europas hinsichtlich des selbstverordneten Schulterschlusses mit den USA zu erfahren. Die Antwort von dem Schily auf die Nachfrage, ob �wir gef�hrdet� sind, lautete sinngem��: �Einstweilen nicht, was sich nat�rlich �ndern kann, wenn die Vergeltung von der US-Seite anl�uft.�

- Auff�llig waren die Formulierungen in den Stellungnahmen. Gesagt wurde, da� ein �Angriff auf die Zivilisation, auf unsere Werte� stattgefunden habe, da� also die Gegnerschaft der Attent�ter sich nicht nur auf Amerika bezieht, sondern auf die Ordnung, die alle mit und teilweise gegen Amerika praktizieren.

Damit sind zwei Gesichtspunkte kombiniert, die zu trennen sich lohnt: �gegen und mit Amerika�. Diese beiden disparaten Gesichtspunkte sind beide in den europ�ischen Stellungnahmen enthalten. Wenn der Schily � zur Beruhigung - sagt, da� wir einstweilen wohl nicht gef�hrdet w�ren, was sich nat�rlich �ndern k�nne, wenn die amerikanische Revanche l�uft, was dr�ckt denn der damit eigentlich aus? Die bl�de Metapher daf�r lautet: �Mitgefangen � mitgehangen�. Man sitzt mit den Amis in einem Boot und sagt zugleich, da� der Steuermann in diesem Boot die Deutschen und �berhaupt die Europ�er jedenfalls nicht sind. Das war der Tenor der Besprechung der jetzt f�lligen Milit�raktion. Sie ist f�llig, man ist solidarisch, man begr��t und bef�rwortet alles, was die Amerikaner machen � man ist Vasall. Aber man ist auch Vasall in dem Sinne, da� man auf die Reaktion selber �berhaupt keinen Einflu� hat. Das sei nicht erst dann, wenn die Reaktion selber behandelt wird, sondern deshalb gleich schon an dieser Stelle gesagt, weil es viele Staaten in der Welt gibt, die unter Amerikas Weltordnung leiden. Das f�ngt bei den Verb�ndeten an, die ja nicht umsonst auf solch eine phantastische Idee wie ein vereinigtes Europa verfallen sind, um endlich einmal eine Position gegen�ber Amerika zu gewinnen. Nat�rlich ist das Europaprojekt nicht die bescheidene Fassung des Anschlags auf das World-Trade-Center ist. Klar ist andererseits aber auch, da� es eine viel anspruchsvollere Fassung dessen ist, was sich allenfalls mit einem Anschlag aufs World-Trade-Center erreichen l��t. Es ist n�mlich ein Projekt dagegen, wie der world-trade selber l�uft. Damit soll nicht behauptet werden, da� letztlich hinter dem Bin Ladin der Fischer steckt, sondern gesagt sein soll, da� es schon bei uns, also den engsten Verb�ndeten Amerikas, anf�ngt, da� die amerikanische Weltordnung selbst denen hier Chance und Schranke zugleich bietet. Das �ndert einstweilen nichts an dieser Partnerschaft, also daran, da� man mit den Amerikanern gemeinsame Sache macht, er�ffnet aber vielleicht den Blick auf Folgendes: Da� eine Nation sich seit 10 Jahren als die einzig verbliebene Weltmacht auff�hrt, das auch durchsetzen kann und daf�r ihre Verb�ndeten hat, ist ja �berhaupt nicht gleichbedeutend damit, da� diese Nation keine Feinde h�tte und da� es in der Welt nicht lauter Staaten g�be, die mit der Rolle, die ihnen darin zugewiesen ist, herzlich unzufrieden sind. Es ist ja auch nicht so, als ob gegen diese Weltordnung nicht mit Kriegen revoltiert w�rde. Daf�r kann man bis zum Saddam Hussein zur�ckgehen, ab seitdem ist ja auch noch einiges passiert bis hin zu dem, da� einmal von einem �afrikanischen Weltkrieg� geredet wurde, bei welchem die Staaten dort versuchen, sich neu zu sortieren und eine Position zu erringen, von welcher aus sie mehr darstellen als bisher.

- Diese Kriege waren aber ja nicht direkt gegen die USA gerichtet, sondern sie sollten den Einflu� der USA in irgendwelchen Weltregionen zur�ckdr�ngen � siehe den Irak gegen Kuweit -, wobei sich die Aktion aber ja gerade nicht wie jetzt gegen die USA selbst richtete. Denn es war jetzt ja so etwas wie eine Milit�raktion gegen die USA. Ein Flugzeug als Bombe in den USA verwandt, ist ein milit�rischer Angriff auf diesen Staat.

Eine Kriegsersatzaktion durch relativ ohnm�chtige Feinde Amerikas

Jetzt war es ja aber, wie schon gesagt wurde, gerade kein Bomber. Was verr�t uns denn das �ber die Aktion? Wenn man versucht, sie sachlich einzuordnen, dann verdient sie schon das Etikett �Verbrechen�, was nicht in dem Sinne zu verstehen ist, da� da Leute eine Gef�ngnisstrafe zu erwarten h�tten � dazu werden sie keine Chance bekommen. Vielmehr erf�llt die Vorbereitung, Durchf�hrung und das Ergebnis der Aktion alle Tatbest�nde dessen, was man klassisch �Terror� nennt: Eine Gruppe schl�gt klandestin aus dem Untergrund gegen eine Staatsgewalt zu, sch�digt sie und zieht dar�ber demonstrativ das Gewaltmonopol in Zweifel. Das ist eigentlich die herk�mmliche Definition von �Terror�, wie er bei jeder Staatsgr�ndung unterwegs war und auch heute � von Nordirland bis Pal�stina � immer noch unterwegs ist. Von dieser Qualit�t ist diese Aktion. Der Vergleich mit einer Milit�raktion lohnt sich, um die Sache aufzukl�ren, aber zun�chst ist festzuhalten, da� es kein Milit�rschlag gegen Amerika war. Was verr�t uns denn das?

- Jeder Milit�rschlag gegen die USA durch einen Staat ist von Vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt, schon ein Ansatz dazu ist gleichbedeutend damit, da� es diesen Staat dann nicht mehr gibt.

Eben. Wenn die USA immer bef�rchten, da� Nordkorea ihnen zweieinhalb Raketen r�berschicken k�nnten, von denen dann eine die Rocky Mountains trifft, dann k�nnte das der eine oder andere Staat schon, was aber gleichbedeutend mit seinem Todesurteil w�re. Was hei�t diese Feststellung f�r die Weltlage? Es erkl�rt ja auch, da� es Krieg gegen Amerika nicht gibt, obwohl alle m�glichen unzufriedenen Staaten, Staatsgr�nder, Gruppen innerhalb von Staaten der Meinung sind, da� Amerika eigentlich dahinter steckt. Das schon angef�hrte Pal�stina ist eines der drastischsten Beispiele.

- Denkt man an den Irak-Krieg, so wurde der Irak zuvor als milit�risch ziemlich potent beschrieben, bekam dann aber seine Flugzeuge kaum aus den Hangars � also ein ziemlicher Kontrast zu der Darstellung zuvor

Dasselbe hat sich ja im Krieg gegen Jugoslawien wiederholt. Auch da war zuvor von einer phantastischen Luftabwehr die Rede. Das also mu� man zun�chst in Rechnung stellen, bevor man sagt, da sei irgendetwas an den USA und ihrer Weltkontrolle widerlegt worden. Die Qualit�t dieser Aktion gibt zun�chst Aufschlu� dar�ber, da� das Abschreckungsregime, da� die USA �ber die Staatenwelt etabliert haben, wirkt.

- Niemand h�tte es vermocht, die Anschl�ge in den USA mithilfe von Milit�rmaschinen durchzuf�hren. Insofern kann man doch auch den Unterschied zwischen Krieg und Terror machen. In einer Gespr�chsrunde hat ein General gesagt, da� laut Strategieb�chern haushoch unterlegene Staaten nie aus eben dem Grund einen offenen Krieg f�hren, sondern den Krieg auf die Weise machen, da� sie Anschl�ge ver�ben oder auf sonstige Wege danach trachten, den Feind auf die eine oder andere Weise zu sch�digen. Terror ist also dadurch definiert, da� er von einer unterlegenen Macht aus vorgenommen wird. Der Anschlag als insofern nicht-kriegerischer Akt k�nnte ja auch durchaus von einem Staat gemacht worden sein. � (Eben, das ist ja noch gar nicht aufgekl�rt.) � Es w�re in dem Fall also ein Akt durch einen Staat, der gegen die USA keine Chance h�tte und deswegen auf eine Kriegsf�hrung verf�llt, bei der er nicht als Gegner dasteht, also das Visier nicht herunterl��t.

Es ist ein Kriegsersatz von Seiten relativ ohnm�chtiger Feinde Amerikas. Das ist zun�chst die Aktion selber. Das Argument lautet nicht, da� es definitiv kein Staat ist, der diese Tat ver�bt hat. Das wissen die noch nicht und wir hier auch nicht. Vielmehr l��t die Aktion selber nur den einen R�ckschlu� darauf zu, da� sich hier eine Feindschaft gegen Amerika r�hrt. Was damit gemeint und wer deren Subjekt ist, bedarf noch der Erl�uterung. Es ist n�mlich keine Privatangelegenheit � kein Anliegen einer Privatperson -, Amerika zu seinem Feind zu erkl�ren, um dann irgendetwas zu arrangieren, da� dort irgendetwas Gro�es kaputtgeht. Selbst wenn eine solche nicht-staatliche Organisation dahinter stecken sollte, dann verfolgt sie damit einen politischen Zweck. Der ist schon daran kenntlich, da� hier eine politische Macht angegriffen worden ist. Es sollte eine politische Macht geschw�cht werden, um einer anderen Sache voran zu helfen. Wie wenig es wiederum mit dem Voran-helfen auf sich hat, merkt man daran, da� diese Sache noch nicht einmal mit Namen zu nennen ist, sonst w�re sie damit n�mlich gleich erledigt. In diesem bl�den Zwischenbereich spielt sich eine solche Terroraktion, ein solcher Kriegsersatz ab.

Man kann den Vergleich mit Krieg auch so ansetzen: Da steht der Feind fest und es steht ziemlich fest, was dessen Feind erreichen will, n�mlich er will sein Recht anstelle des Rechts der Nation setzen, die er sch�digt. Da stehen Interessen gegeneinander und Staaten definieren ihre Interessen immer gleich als Rechte, als Rechtsanspr�che darauf, da� ein anderer sich f�gt und sich wom�glich dem eigenen Staat anschlie�t, wie damals die ganzen Grenzkriege in Jugoslawien gelaufen sind. Da will ein Staat oder, wie im Falle Jugoslawiens, eine Staatsgr�ndungsmannschaft, die �ber milit�rische Mittel verf�gt, ihr Recht durchsetzen gegen einen Feind, der seinerseits f�r seinen Rechtsstandpunkt milit�rische Mittel aufzubieten hat. Von der Dimension ist diese Aktion auf alle F�lle. Deswegen liegt ja auch die Analogie zum Krieg dem Bush gleich so nahe. Es ist ein Angriff auf Amerika und nicht blo� ein Terrorakt, wie er seinerzeit von dem Endzeitm�nch mit seinem Sarin-Anschlag in der U-Bahn von Tokyo gemacht wurde. Die Tat hat schon Kriegsqualit�t in der Hinsicht, da� sich hier ein politischer Zweck sein Recht verschaffen will. Das ist offenbar allen gleich klar gewesen, man braucht dahingehend also gar nicht gro� zu r�tseln. Was diese Tat andererseits vom Krieg wiederum fundamental unterscheidet, ist die Tatsache, da� hier ein Staat, der sein Recht anstelle des amerikanischen setzen will, sowohl dem Subjekt als dem Ziel nach hinter einem Krieg sehr weit zur�ckbleibt. Die Aktion ist so dimensioniert, da� allen nicht zu Unrecht gleich �Pearl Harbour� einf�llt. Aber �Pearl Harbour� war eine Aktion Japans, das sein Recht auf die Beherrschung des Pazifiks als Sicherheit f�r seine Kolonialkriege in Ostasien auf die Art durchsetzen wollte. Jetzt hat man eine Aktion, die die Dimension von �Pearl Harbour� hat, aber ein Staat und ein Recht, das er damit durchsetzen wollte, ist nicht ersichtlich. Man mu� glatt Schl�sse ziehen, wer wohl dahinter stecken k�nnte. Und jeder politische Zweck, dem damit voran geholfen werden sollte, h�lt sich in diesen Verh�ltnissen heute total bedeckt, denn jeder, der sagen w�rde, da� ihm das n�tzt, unterschreibt damit sein Todesurteil. Der einzige, der das sagt, ist der Saddam Hussein, der ohnehin nichts zu verlieren hat. Das denkt der zumindest. Vielleicht hat er doch noch etwas zu verlieren und merkt es demn�chst.

- Bei �Pearl Harbour� sollte doch auch eine milit�rische Macht gesch�digt werden, um die eigene milit�rische Macht in Szene zu setzen. In New York wurde doch blo� ein Fanal von entt�uschten Nationalisten gesetzt, von denen es in der arabischen Welt genug gibt, weil sie dort unter der amerikanischen Politik dauernd zu leiden haben � seien es nun Staaten oder dortige Gruppen, die sich f�r ihren Staat eine andere Rolle w�nschen.

Die Logik der wechselseitigen Schadensaufrechnung

Wenn man somit sagt, da� es da welche gibt, die unter der US-Politik zu leiden haben, mit dem Zusatz, da� es sich dabei um Nationalisten handelt, dann bedarf das noch der n�heren Erl�uterung. Das hat auch mit dem oben angesprochenen Punkt zu tun, wie eigentlich die Europ�er dazu stehen. Es ist schon interessant, wie viel antiamerikanische Aufrechnung bereits am Abend nach dem Attentat hier gleich losgeht. Es gab sie in Form von wohlmeinenden bis geh�ssigen Stellungnahmen, wobei Scholl-Latour der H�uptling dieser Bewegung war. Erstens stimmt dessen Weltbild jetzt endg�ltig wieder, denn wir m�ssen jetzt endlich diese �Spa�gesellschaft� durch eine Kriegsbereitschaft ersetzen, denn ohne Selbstmordattent�ter haben wir gegen diese islamische Flut keine Chance. Seine andere Schiene ist, da� die Amerikaner totale Waschlappen sind und noch nicht einmal rechtzeitig einen Terroristen fangen k�nnen. (Sie ignorieren sogar die Hinweise seine Freunde vom franz�sischen Geheimdienst. Usw.) Das ist die Schiene von Antiamerikanismus bei dem. Es gibt aber in der Hinsicht alle m�glichen Formen. Sie beginnen mit der Stellung der NPD, die ja jetzt auch zitiert wurde, die in ihrer Webside sagt, da� den USA Recht geschieht � erst unterdr�cken sie die Indianer, vergewaltigen dann die Neger und fuhrwerken in der ganzen Welt herum, so da� es also h�chste Zeit w�rde, da� jemand mal dem amerikanischen Imperialismus Grenzen setzt. Das ist deutscher Rechtsradikalismus. Es ist nicht so, da� die NPD nicht Imperialismus mit Amerika in Verbindung setzen k�nnte und nicht sagte k�nnte: �Recht geschieht ihnen!�. Das geht dann auf eine h�fliche Weise weiter bis hin zu solchen Leserbriefen in der S�ddeutschen Zeitung vom Tage. Die Einleitung hei�t immer: �Verbrechen, entsetzlich, man sei �berhaupt nicht daf�r�, aber schon an der Einleitung merkt man, da� sie ein �aber� ansteuert, das dann kommt und lauter Aufrechnungen beinhaltet, an denen dann auch wieder nichts zu r�tteln ist. T�glich verhungern zehnmal soviel Kinder auf der Welt, die von Amerika so wundervoll World-Trade-Center-m��ig gemanagt wird, wie jetzt an erwachsenen Leuten in dem Geb�ude umgekommen sind. Die �kologie kommt durcheinander, die Inseln im S�d-Pazifik saufen ab, usw. Also lauter Hinweise darauf, wie die Welt beieinander ist, auf deren friedliche, ordentliche, auch handelstechnisch perfekte Verwaltung die USA so stolz sind. Was ist denn zu solchen Rechnungen zu sagen?

- Das ist doch ebenfalls ein solcher entt�uschter Nationalismus, wie er im Prinzip auch beim Scholl-Latour vorliegt, der die ganze Zeit dar�ber mosert, da� die WEU noch nicht so viel milit�risch auf die Beine stellen kann, wie die USA, weshalb es darum zu gehen h�tte, den USA auf den verschiedenen Feldern Paroli bieten zu k�nnen.

Als Kennzeichnung der Intention dieses Arguments ist das v�llig richtig. Aber was ist denn die Logik dieses Aufrechnens f�r sich genommen? Wie w�re denn die ins Verh�ltnis zu setzen zu dem oben als banal gekennzeichneten Eingangshinweis, da� Amerika Feinde hat? Die Absicht der Argumente ist eindeutig, es geht darum, den USA etwas streitig zu machen, und am Scholl-Latour merkt man sehr deutlich, da� er f�r einen Euro-Imperialismus pl�diert, was aber wohl nicht die Intention des Leserbriefs ist. Aber auch an den Stellungnahmen unserer politischen Obrigkeit, die von Unterw�rfigkeit gegen�ber Amerika, von Solidarit�t und einen berechnenden Bedauern �ber die eigenen Schw�che gepr�gt sind, merkt man sehr deutlich den Antiamerikanismus und da� er alles andere ist als ein Antiimperialismus. All das ist immer von dem Standpunkt eines alternativen Imperialismus beseelt. Bevor man aber auf den politischen Impetus geht, der hinter der Leserbrief-Aufrechnung steht, soll dieses Argument f�r sich gekl�rt werden. Ist es denn sachgerecht, da� man sich bei diesem Anschlag einfallen l��t, wie dreckig es drei Vierteln der Weltbev�lkerung unter dem Regime des globalen Kapitalismus geht?

- Das hie�e die Rechnung ohne den Wirt machen. Es mag ja sein, da� der Leserbriefschreiber das so in seinem Kopf gegengerechnet hat, hat aber gar nichts damit zu tun, was die Terroristen intendiert haben. Denn was haben die f�r ein Interesse daran, ob ein Negerbaby gerade verhungert oder nicht?

Betroffenheit durch die Weltordnung ist etwas anderes als Feindschaft gegen seine Urheber

Es ist also festzuhalten: Betroffenheit durch die Weltordnung ist etwas anderes als Feindschaft gegen ihren Urheber. Wer sich angesichts dieses Kriegsakts die Betroffenen einfallen l��t, der denkt im Schematismus der Moral: Gibt es Rechtfertigungen f�r diese Aktion? Sonst k�nnen einem n�mlich die Betroffenen gar nicht einfallen. Der Schlu� auf Feinde Amerikas f�hrt in eine ganz andere Richtung als die Opfer Amerikas. Das hei�t nicht, da� die politischen Kr�fte, die jetzt diesen Schlag angezettelt haben, sich nicht als Opfer Amerikas wissen und mit ihren politischen Ambitionen auch vielleicht Opfer Amerikas sind. Aber die Opfer, auf die unter dem Stichwort des �globalsierten Kapitalismus� von der �kologie bis zur Armut in der dritten Welt gedeutet wird, sind todsicher nicht die, von denen dieser Anschlag ausgeht. In dem Sinne ist das unsachlich und geht an der Kl�rung der Aktion vorbei. Es gibt aber einen Grund daf�r, da� das so vielen Leuten einf�llt.

- Die USA setzen doch jede Menge Gr�nde f�r Feindschaft gegen sie in die Welt.

Aber diejenigen, die tats�chlich Momente von Feindschaft gegen die USA praktizieren, sind doch die letzten, die das Elend von Negerbabys beseitigen wollten.

- Das gilt doch auch f�r die Pal�stinenser, denn wenn man die arabische Abteilung in den Blick nimmt, dann sind die einen als im Elend lebend am ehesten diejenigen, die feindselig gegen die USA sind; sie sind zugleich aber auch die Hilflosesten hinsichtlich dessen, dagegen angehen zu k�nnen. Und wer sich jetzt von arabischer Seite antiamerikanisch �u�ert, der benutzt die Pal�stinenser allenfalls als Berufungsinstanz, die ihnen ein moralisches Recht verschaffen sollen, ohne da� sie der Grund f�r irgendetwas w�ren.

Wenn man also einmal die Pal�stinenser hernimmt mit der Unterstellung (man wei� es ja noch nicht und die Tendenz Amerikas geht ja jetzt auch in eine andere Richtung), es habe sich um eine Aktion im Sinne der unterdr�ckten Pal�stinenser gehandelt, um welche Interessen handelt es sich dann eigentlich da?

- Um ein Staatsgr�ndungsinteresse, wobei diese Aktion zugleich die Garantie daf�r liefert, da� es diesen Staat dann auf alle F�lle nicht gibt.

Deswegen gibt es sich ja auch nicht als Urheber zu erkennen. Aber als eine Quasi-Kriegsaktion, die einen Gegner schw�cht, der so vielleicht zu einem Entgegenkommen hingebombt wird, unternommen von einem Pal�stinenser-Interesse aus gegen die Schutzmacht Israels, also der gro�en Milit�rmacht, die jede politische Regung der Pal�stinenser derma�en perfekt knebelt, da� die sich nicht mehr r�hren k�nnen, ist dann immer noch � �Feindschaft� war das Stichwort � ein Eintreten f�r einen politischen Zweck, wie er in die heutige Welt dann auch wiederum hineingeh�rt. Sie k�mpfen um eine Staatsgr�ndungder Zweck wird ihnen verunm�glicht durch Israel und die amerikanischen Weltordnungsdirektiven f�r die Gegend. Und das ist nicht dasselbe, wie als Opfer der imperialistischen Weltordnung im Sinne der Aufz�hlung in dem SZ-Leserbrief von der amerikanischen Weltherrschaft betroffen zu sein. Opfer und Feind sind nicht dieselben Kategorien. Das sei hier nur deshalb so betont, weil das In-das-Feld-F�hren des Betroffenheitsarguments nur f�r eines taugt, n�mlich f�r eine moralische Aufrechnung, nach dem Muster: Ist nicht vielleicht doch dieser Aktion eine gewisse Rechtfertigung zuzubilligen? Es gibt 30j�hrige Zeitgenossen, denen f�llt allen Ernstes �Dresden� ein, ohne da� sie vorher bei der NPD h�tten nachlesen m�ssen. Sie haben �Dresden� nicht erlebt und es f�llt ihnen trotzdem ein im Sinne einer Gegenrechnung. Es ist nicht abwegig, sich vorzustellen, da� die NPD mit ihrer Einlassung, den Attent�tern Recht zu geben, mal wieder den Nerv vieler Stammtische trifft. Daf�r gibt es �brigens ein kleines Indiz. Die Heftigkeit, mit der unsere Obrigkeit f�r den Schulterschlu� agitieren, scheint fast von der Sorge gepr�gt, da� sich wom�glich ein Antiamerikanismus am falschen Fleck r�hrt. Zumindest solche Leitartikel wie der heute vom Kurt Kister in der SZ f�llt gleich �ber irgendwelche Intellektuellen her, die sich jetzt anma�en, die USA vor �berreaktion zu warnen, und diagnostiziert gleich bei ihnen einen intellektualistischen Antiamerikanismus, der derma�en unberechtigt ist, da� er nur seine Abscheu dar�ber ausgie�en kann. Vielleicht hat er in seiner Redaktion etwas dahin gehendes geh�rt, denn im Feuilleton sind dann ja die Abrechnungen zu lesen, die zwar h�flich und vornehm abgefa�t sind, aber mit der Tendenz, da� sich Amerika nicht zu wundern braucht. Es ist ja auch wirklich so: Das einzige, wor�ber sich Amerika zurecht wundern kann, ist ja, da� glatt eine solche Kriegsersatzaktion sie in ihrem Heimatland erwischt, es also zum ersten mal seit �Pearl Harbour� sie selbst trifft und nicht nur ihre in der ganzen Welt verteilten Kriegsschiffe oder �hnliches.

Betroffenheit jetzt �berhaupt ins Feld zu f�hren, ist nichts anderes als ein Gerechtigkeitsargument, ein Argument des gerechten Aufrechnens. Die, die das wie in dem o. a. SZ-Leserbrief tun, wollen Amerika ein moralisches Recht absprechen; sie wollen irgend ein Moment von Berechtigung an dieser Aktion hochhalten. Deswegen kann man dann ja auch den n�chsten Schlu� ziehen, da� oft genug dahinter ein politischer Impetus steckt, auf den man damit hinauswill. Wenn an dem amerikanischen Standpunkt, da� das fraglos und unrelativiert ein riesiges Verbrechen ist, dann Relativierungen angebracht werden � �Nun gut, es ist zwar ein Verbrechen und wir verurteilen es auch furchtbar, aber ...� (und dann folgt) ... Amerika braucht sich doch auch nicht zu wundern, wenn es sich so auff�hrt.� -, dann wird eine Gerechtigkeitsfrage aufgemacht und beantwortet. Und wenn man nun fragt, was jemand, der das so aufrechnet, im Sinn hat, dann kommt man auf die bereits oben gezogenen Schl�sse. Es gibt dann nicht blo� Feinde des amerikanischen Imperialismus, sondern auch Konkurrenten des amerikanischen Imperialismus, die dann f�r ihr Ideal einer alternativen Weltordnung durchaus bereit sind, solche moralischen Gegenrechnungen aufzustellen.

Was war denn die ziemlich offizielle und unter Leitartikelschreibern verbreitete erste Sorge nach dem Anschlag? Da hat der Kister doch recht � alle haben sich aufgebaut und gesagt, da� �die USA hoffentlich besonnen bleiben�. Selbst der Papst ruft mit seinem Rest von Sprachverm�gen zur Besonnenheit auf. Wen denn eigentlich?! Heute wird mit Befriedigung im Fernsehen registriert, da� die USA �ja gar nicht aus der H�fte geschossen h�tten�. Amerika kriegt ein Kompliment daf�r, da� sie glatt erst nach gucken, gegen wen sie vorgehen sollen, bevor sie losschlagen. Der Verdacht, da� Amerika eine Macht ist, die jetzt blindw�tig um sich schl�gt, so da� wir dann die Schei�e auszubaden haben, weil dann alle Terroristen �ber uns herfallen, denn bei uns geht es leichter als bei denen, dieser Verdacht war sofort auf dem Tisch. Es lohnt sich, diesen Verdacht einmal zu erkl�ren. Bisher war es ziemlicher Konsens, da� die USA unter Bush eine ziemlich ungute Rolle in der Welt spielen. Es zieht sich aus Vereinbarungen zur�ck, macht einen auf �unilateral�, es setzt sich �ber alle Interessen sogar der Verb�ndeten hinweg. Dazu verh�lt sich das Jetzige wie ein Widerruf.

- Gleichzeitig aber wird doch das auch schon wieder in Frage gestellt, wenn gesagt wird: �Schulterschlu� ja, aber nur wenn wir konsultiert werden!�, wobei gleichzeitig v�llig klar ist, da� es den USA v�llig freisteht, wie weit sie wen �berhaupt konsultieren.

Doppelb�digkeit in der Stellungnahme der Verb�ndeten

Man nehme einmal diese Aktion, in der der Artikel 5 des NATO-Vertrags aktiviert wird. Das geht zwar schon gleich darauf, was f�r ein politisches Instrument die USA ins Werk setzen, aber es verr�t auch bereits viel �ber das Verh�ltnis der USA zu ihren Verb�ndeten. Mit dem Antrag der USA, da� dieser Artikel aktiviert werden soll, schw�ren sie ihre Verb�ndeten auf die von ihnen beabsichtigte Reaktion ein, was darauf hindeutet, da� die USA den Anschlag nicht als einen terroristischen Akt der �blichen Art betrachten, wenn eine Gruppe sich verschw�rt und die Staatsmacht Verbrecher ausrotten mu�. Vielmehr nehmen die USA es ernst zu betonen, da� das, was oben als Kriegsersatzaktion gekennzeichnet wurde, eine Kriegsaktion von au�en gewesen sei, mit der eine feindliche Macht auf die Sch�digung der amerikanischen Positition in der Welt zielt. Das ist auf dem Tisch, wenn sie sagen, da� Artikel 5 f�llig ist; es ist ihre Lesart des Artikel 5, der ja nicht f�r diese Aktion, sondern f�r die Sowjetunion und die Bedrohung, da� die Sowjetunion �ber irgend einen B�ndnispartner zwischen Fulda-�gap� und Ost-T�rkei herf�llt, erfunden wurde. Der Artikel 5 wird aber jetzt aktualisiert und das ist als erstes zun�chst mal eine Inpflichtnahme der Verb�ndeten. Das von den Verb�ndeten dabei eingeflochtene �... (nur) wenn ...� geh�rt dann wieder zu dem typischen Umgang der Europ�er mit dieser Inpflichtnahme. Dauernd verlautbaren sie ihr �ja, aber ...�; die Europ�er sind die gebohrenen �Ja-abers�. Man mu� ja nur solche Sachen ein wenig sachlich analysieren, wie die doppelte Begr�ndung, weshalb man der Aktivierung des Artikel 5 zugestimmt hat. Man kann immerzu zwei Begr�ndungen vernehmen. 1) Solidarit�t mit Amerika; 2) unser eigenes Interesse. Darf man denn auch noch erfahren, wie sich beides zueinander verh�lt?! Ja, auf der ideologischen Ebene ist alles klar, da geht es um �Freiheit� und �unsere Kultur� und diesen ganzen Senf. Aber man nehme es einmal ernst als politische Aussage. �Solidarit�t� bedeutet immer, da� man ein fremdes Interesse bef�rwortet, es ist also nicht das eigene. Es ist schon sehr verr�terisch, wenn man dann noch nachschiebt, da� es au�erdem auch noch das eigene Interesse ist, denn es dr�ckt ja aus, da� unsere Solidarit�t berechnend ist. Wir f�gen uns den Amerikanern und versprechen uns etwas f�r uns davon; oben wurde das so ausgedr�ckt, das die Europ�er �mit den Amerikanern und gegen sie� die Weltordnung betreiben, in jeder b�ndnispartnerschaftlichen �u�erung ist immer beides vorhanden. Wir sind total einig mit den Amerikanern und haben auch unsere guten Gr�nde, warum. Ob das auch die amerikanischen sind, das ist ja gerade das Problem. Immer am Arsch der USA durch die Welt fuhrwerken, die dann die Drecksarbeit erledigen lassen und dann auch noch h�hnisch zugucken, wenn die eins aufs Dach kriegen � das ist der europ�ische Standpunkt, etwas �bertrieben ausgedr�ckt, um dessen Logik klarzulegen. Noch zu sagen, da� sie aber besonnen reagieren sollen, ist dann der Gipfel! (Um auch einmal den Amerikanern moralisch Gerechtigkeit widerfahren zu lassen). Erst sollen sie immer die Kastanien aus dem Feuer holen, und wenn sie dann einmal eins aufs Dach kriegen, kriegen sie als erstes oder zumindest als anderthalbtes zu h�ren, da� sie aber doch bittsch�n besonnen bleiben und uns nirgends reinreiten sollen. Wenn Imperialisten sich verb�nden, dann ist also sehr schwer zu entscheiden, f�r wen man da parteilich sein soll. Deswegen ist ja die L�sung, da� man es gar nicht ist, alle Betroffenheiten weg l��t und sich nur klar macht, welche Sorte Kriegsaktion da gelaufen ist. Wenn der Schr�der ausdr�cklich betont, da� wir �jetzt bedingungslos an der Seite der USA� stehen, dann spricht er damit aus, da� sich in der jetzigen Situation die �bliche partnerschaftliche Berechnung verbietet � bei Krieg h�rt das Berechnen auf. Aber sobald dann einer in Deutschland fragt �Um Gottes willen, sind wir denn jetzt auch im Krieg?�, dann kriegt man wieder zu h�ren, da� �das immer noch wir entscheiden�. Jetzt haben wir zwar den USA unsere Solidarit�t nach Artikel 5 erkl�rt, was auch sein mu� etc., und wir versammeln uns auch vor dem Brandenburger Tor mindestens 200.000fach. Wird dann aber gefragt, was das denn nun hei�t, dann erkl�ren sie einem, da� der beschlossene NATO-B�ndnisfall die Qualit�t eines Antrags h�tte. Wollen z. B. die USA jetzt Lybien zerst�ren � �to end a state� (Wolfowitz) lautet ja jetzt der neue Ausdruck � und beantragen dazu deutsche Sp�rpanzer, um nicht auf ihr eigenes in Tripolis verstreutes Gift reinzufallen, dann wird das heute so dargestellt, als m��ten die USA einen schriftlichen Antrag daf�r einreichen, welchen die Regierung dann an den Bundestag weiterreicht, der dann ja oder nein dazu sagt. Wer wei�, ob das so stimmt, aber wenn man an den Punkt gelangt, was denn das praktisch bedeutet, st��t man nat�rlich auf alle Berechnungen. Das Echo im Volk davon hat man in den Umfragen schon gleich. 68% sagen sofort, da� man �nat�rlich zuschlagen� m�sse, und haargenau diese 68% sagen: �Aber ohne uns!� Da� also die Bundeswehr mit einbezogen wird, w�rde man nicht so einsehen.

Der Artikel 5 bezieht sich eigentlich auf einen Angriff von au�en. Jetzt sagt man, da� er in Kraft tritt, aber ob der Angriff von au�en war, wird noch gar nicht gewu�t. Daran merkt man schon, da� das die Anpassung des Vertrags an eine ganz neue Lage ist, f�r die er gar nicht da ist. Deswegen sind ja sogar die besten Vertragsjuristen etwas �berfordert, wenn sie jetzt sagen sollen, was denn das praktisch hei�t. Man bekommt dann solche Ausk�nfte, da� wir zwar den B�ndnisfall vorliegen haben, aber noch nicht genau wissen, gegen wen. Das ist f�r sich genommen absurd. Schr�der legt st�ndig Wert darauf, da� zwischen uns und die Amerikaner kein Blatt Papier pa�t � �we all are Amerikans�, aber sobald es dann andererseits an die Frage geht, ob wir denn jetzt wirklich davon so betroffen sind, da� wir auch wirklich etwas milit�risch machen m�ssen, dann f�ngt notwendigerweise, denn es ist ja ein eigener Staat, der Standpunkt der berechnenden Autonomie an. Dann kommt als Trost, da� wir unsere berechnende Entscheidung �ber Krieg und Frieden nicht abgetreten haben. Das wird in der heuchlerischen Form vorgetragen, da� wir laut unserem Verfassungsgericht immer zuvor unser Parlament fragen m�ssen.

Der Schr�der antwortet auf die Erkundigung in einem Interview, was es denn mit dem Artikel 5 auf sich hat und ob wir uns damit nicht auf etwas verpflichtet haben, was noch gar nicht absehbar ist, da� wir erstens alle Konsequenzen im Griff haben. Zweitens stellt er die Gegenfrage, was denn unsere Alternative gewesen w�re. �Sollen wir denn das B�ndnis k�ndigen?� - dann das w�re ja eine K�ndigung gewesen. Als drittes Argument folgt darauf, da� das doch die einzige Chance f�r uns ist, darauf Einflu� zu gewinnen. Dann kommt wiederum als n�chster Gedanke, da� man sich da aber nichts vormachen d�rfe, denn viel Einflu� darauf haben wir nicht. Und darauf dann wieder, wenn �berhaupt, dann nur so. Damit hat man dann die ganze Dialektik des Vasallen in der B�ndnispartnerschaft durchdekliniert.

Ein Kreuzzug f�r die proamerikanische innenpolitische Gleichschaltung der Staatenwelt

Man lasse einmal alle menschelnde Metaphorik von �Neid� und �Rache� beiseite und kl�re das Sachliche, was die USA jetzt in die Wege leiten. Abgehakt sein soll die �ffentlich ge�u�erte Sorge, da� sie blindw�tig um sich schlagen, wie man das quasi aus einem US-Film kennt, mit der nachfolgenden Erleichterung, da� sie ja doch erst nachschauen, wen sie erledigen sollen. Man nehme einmal, wie die USA jetzt wirklich agieren, und lasse die Rhetorik vom Bush beiseite (dazu eine Klammer: Die Demokraten sind schon hart gesotten. Da fallen zwei riesige T�rme ineinander mit 5000 Leichen, und in der hiesigen Presse wird allen Ernstes gem�kelt, ob der Bush da �den richtigen Ton getroffen hat? � er mu� ja sein Beileid glatt noch vom Blatt ablesen.� Auch in der Situation h�ren sie also nicht auf, dessen Wahlchancen zu taxieren. Das ist an Demokraten einfach begeisternd, womit die Klammer wieder geschlossen wird.), denn jenseits davon haben die Amerikaner ja etwas vor. Sie sagen, da� das �ein lange Jahre dauernder Feldzug wird.� Wie ist denn das zu verstehen?

- Die USA teilen mit, da� es jetzt ihrer Definition unterliegt, wer jetzt ein Schuldiger ist und deshalb zurecht bestraft wird. Sie kennen sowieso schon jede Menge �Schurkenstaaten�, die schon l�ngst weg geh�ren. Ank�ndigungen eines Vorgehens gegen ein Verbrechen mit kriminalistischer Erhebung und Aufkl�rung und Abstrafung sind zwar zu h�ren, aber es ist heraus zu h�ren, da� sie das ziemlich weit fassen wollen. (N�mlich wie weit? Was ist denn die politische Zielsetzung dieses �Kreuzzugs gegen den Terrorismus�) Wenn sie ank�ndigen, da� sie keinen Unterschied machen wollen zwischen T�tern und denen, die ihnen Beihilfe leisten oder Unterkunft gew�hren, dann hei�t das doch, da� sie sich die Option er�ffnen und einen Titel daf�r zulegen, gegen alles und jedes zuzuschlagen, was ihnen schon immer nicht gepa�t hat.

Mit �Option er�ffnen� wird man ja nicht sagen wollen, da� ihnen da bisher irgend etwas versperrt geblieben w�re. Auch um einen �Titel� daf�r waren sie ja bisher auch nicht verlegen, denn mit �Schurkenstaat� war doch schon alles fertig.

- Es ist die Ank�ndigung, da� sie sich neu beziehen auf den Rest der Welt, denn die rede vom �Schurkenstaat�, den man bek�mpfen mu�, unterstellt ja noch, da� man sich da auf einen Souver�n bezieht, den man erpre�t und gegen den man auch Krieg f�hrt. Mit der jetzt herausgegebenen Liste von Staaten wollen sie ja gar nicht sagen, da� das alles Schurkenstaaten sind. Sie beziehen sich damit auf das, was in diesen Staaten passiert, als w�re es quasi in ihrem eigenen Staat. Sie betrachten ihre Armee als ein St�ck internationale Polizei, schlagen mit ihr zu und l�schen irgendeine Stadt aus, ohne da� das eine Kriegserkl�rung an den Staat sein soll, sondern eben Terrorbek�mpfung. Hat die US-Politik bisher noch die Souver�nit�t der Staaten anerkannt, so kommt einem das so vor, da� es die USA jetzt �berhaupt nicht mehr interessiert, ob da ein Staat ist. Letztlich ist es ein Zur�ckstufen der Souver�nit�t auf einen blo�en Formalismus.

Nicht richtig an dieser Darstellung ist, da� die USA die Staaten nicht mehr interessierten. Was sie nicht interessiert, ist ein Souver�nit�tsvorbehalt. Aber gesagt sein sollte doch, da� es da und �berall Staatsgewalten gibt, f�r die man einen Auftrag nach innen hat.

- Zun�chst sollen sich alle von den USA mit einem Zweifel bedachten Staaten zu Amerika bekennen und dann bekommen sie auch einen Auftrag. Die ins Visier genommen Staaten, wie jetzt Pakistan, haben keine Wahl, gleichwohl ist noch die Frage, wie weit ein solcher Staat dabei klein beigibt. Die Europ�er sehen doch insofern sofort die Chance, sich dieser Frage zu entziehen, als sie ohnehin umstandslos als die Macher dieser Angelegenheit mitlaufen wollen, wobei allerdings die Europ�er und Staaten wie Pakistan nicht gleichgesetzt werden sollen. Pakistan kann sich offensichtlich noch einen Tag Bedenkzeit herausnehmen, aber das ist dann schon das Ende der Wahl)

Was aber ist denn generell davon zu halten, wenn die USA sagen, da� sie in den n�chsten Jahren einen Feldzug gegen den Terrorismus unternehmen. Die Vorschl�ge waren bereits bei dem zweiten Kapitel angesprochen worden, n�mlich da� man dann Auftr�ge f�r Staatsgewalten hat, die die in ihrem Inneren umzusetzen haben. Aber dem geht ja noch etwas anderes voraus.

- Zun�chst einmal steht jeder Staat unter dem Verdacht, da� er sich diesem Terrorismus = dem Antiamerikanismus mehr oder weniger offen klammheimlich anschlie�t, und sie wissen auch, warum.

Der Verdacht, sie w�rden sich nicht anschlie�en, ist nur der negative Schatten von dem Anspruch, da� alle Staaten sich den USA unterzuordnen haben. Es ist wie ein Anla� dazu, eine wirklich globale Front herzustellen.

- Dem Feldzug liegt doch die amerikanische Diagnose zugrunde, da� in dieser Weltordnung, in der die USA zust�ndig sind, etliche Berechnungen gegen sie laufen, mit denen jetzt aufger�umt geh�rt. Sie beziehen sich also nicht blo� auf Pakistan, sondern auf jegliche Berechnung, die sie jetzt im Laufe der Zeit dingfest machen werden.

Die banale Feststellung oben, da� die USA Feinde hat, da� es Staaten oder Gruppen gibt, die ihr politisches Interesse durch Amerika unterdr�ckt sehen und daran leiden und nach Wegen suchen, sich dagegen zu wehren, das ist die amerikanische Diagnose in der Sache durchaus auch. Sie kleiden das zwar immer in ein riesengro�es moralisches Verdammungsurteil ein ��Zivilisation vs. Barbarei� etc. -, aber die Sache, die sie feststellen, ist genau die: Es gibt politische Berechnungen. Zwar trauen sie sich als Staaten gar nicht mehr hervor, insoweit klappt das Abschreckungsregime, das Amerika �ber die Welt verh�ngt hat. Aber jetzt ist ja gerade eine Sorte Kriegsersatz auf den Tisch gekommen, der Amerika sogar treffen kann. Zu so etwas ist die weltweite Feindschaft gegen Amerika noch in der Lage und jetzt mu� man gegen die eine Front schmieden. Das ist der Witz von �Kreuzzug gegen den Terrorismus�: Eine Gleichschaltung der Staatenwelt auf Solidarit�t mit Amerika, die nicht blo� irgendwelche B�ndnisleistungen beinhaltet, also irgendein au�enpolitisches Entgegenkommen, sondern die � das ist der zweite Gedanke - Folgendes beinhaltet: Wenn schon Front, dann ist das eine Front, die die Staaten nach innen zu er�ffnen haben, n�mlich gegen alles, was sich in ihrem Inneren noch an antiamerikanischen Umtrieben, an Feindschaft gegen Amerika r�hrt.

- Damit wird so mancher Staat, der sich bislang mit allen dazugeh�rigen Berechnungen noch als proamerikanisch verstanden hat, als antiamerikanischer Staat gelten. Die Saudis z. B., die ja f�r sich erst einmal das Urteil haben d�rften, da� sie proamerikanisch sind, bekommen jetzt den Auftrag, ihre gesamt Elite, die antiamerikanisch ist, zu kontrollieren, was f�r die zu einer Existenzfrage wird.

Es wird f�r viele Staaten zu einer Existenzfrage, denn das ist jetzt der Anspruch. Und diese Staaten stehen dann wirklich vor dem Dilemma, da� sie sich einen nach au�en erkl�rten Antiamerikanismus nicht leisten k�nnen, denn da steht ja die Drohung und Ansage vom Bush, da� diese Front geschmiedet wird und da� der Kreuzzug so lange dauert, bis er fertig ist. Auf der anderen Seite haben sie ein Volk zu regieren, das ja jetzt schon nicht gescheit funktioniert. Mit �Gleichschaltung� ist die Ausrichtung auf das Interesse der USA gemeint. Dem Inhalt nach ist das der Anspruch, da� die Staaten bei sich Feindschaft gegen Amerika zu beseitigen haben. Wenn sie sie nicht beseitigen k�nnen, dann haben sie sie gef�lligst so zu unterdr�cken, da� sie sich bestimmt nicht mehr so r�hren kann wie jetzt in dieser Aktion. In vielen F�llen wird das eine Aufforderung zum B�rgerkrieg sein, zu einer Bereinigung nach innen. Den Anspruch ernst genommen, haben sie ihre Gesellschaft so zu formieren, da� sie, wenn schon nicht proamerikanisch, dann doch so wird, da� der Antiamerikanismus keine Chance hat. Quasi das, was die Amerikaner mit ihren milit�rischen Mitteln schon in Bezug auf die Staatenwelt ganz gut hingekriegt haben, da� sich n�mlich keiner als Staat traut, Feindschaft zu Amerika zu praktizieren, das soll auch die innenpolitische Kultur aller Staaten beherrschen. Sie sollen sich zum verl�ngerten Arm der amerikanischen Abschreckungspolitik machen. Das ist der Inhalt des Anspruchs auf Gleichschaltung. Dabei merkt man, da� zu diesem Anspruch kein Staat jetzt �Nein� sagt oder da� ihn das nichts anginge. Aber zugleich merkt man: Alle Staaten, die jetzt �Na klar!� sagen und da� sie darauf ja schon lange gewartet h�tten, warten mit Berechnungen auf, die zu den amerikanischen schon gleich wieder gar nicht passen. Den Russen f�llt Tschetschenien ein, wo immerhin ein Unterf�rst der Tschetschenen bei der Amtseinf�hrung von dem Bush noch willkommen war. Die Russen machen also gleich die Rechnung auf, da� sie doch den gleichen Feind h�tten. Nein, den Feind haben die USA mit ihrem Kampf gegen den Terrorismus bestimmt nicht gemeint. Die Reaktion in China war laut NZZ, da� die dort sich ausrechnen, jetzt wahrscheinlich den Freiheitskampf in Tibet und irgendwelche unschuldigen islamistisch angehauchten Autonomiefreunde in einer Provinz unterdr�cken zu k�nnen. China wird gleich von der NZZ aus unterstellt, da� es jetzt diesen Schulterschlu�, den Amerika beantragt, f�r eigene Zwecke benutzt. Die sch�ne Ironie von der Unterscheidung zwischen berechtigtem Freiheitskampf und Terrorismus ist ja mit dem amerikanischen Anspruch nicht aus der Welt, da� sie jetzt definieren, was ein auszurottender Terrorismus ist. Die USA kennen gen�gend Befreiungsk�mpfer, bei denen sie daf�r sind, da� die sich noch ein wenig mehr durchsetzen.

- Aber auch die Versuche der Europ�er, das Verh�ltnis zu dem Irak zu normalisieren, ist doch jetzt in einem neuen Blickwinkel zu sehen.

Richtig. Fragt man, wie man sich diesen Souver�nit�tsvorbehalt nun vorzustellen hat, so h�tten die Chinesen oder �gypter diesbez�glich gerne eine Konferenz. Mit dem globalen �Kreuzzug gegen den Terrorismus� will Bush eine Einheitsfront aller Staaten, also quasi formell die UNO, aber da wollen die USA ja gar nicht hin. Daf�r brauchten sie blo� in das andere Haus in New York zu gehen und h�tten dann dort eine Adresse. Aber das ist nicht das, was mit �Kreuzzug� angesagt ist, was zwar eine moralische Einkleidung ist, die aber einen politischen Gehalt hat. Sie wollen erreichen, da� alle Staaten bei sich intern ein Abschreckungsregime gegen Feinde Amerikas durchsetzen. F�r das, wie sie das hinkriegen wollen, mu� man die Metapher vom Kreuzzug ernst nehmen. Sie bedrohen jeden, der dahingehend etwas zu w�nschen �brig l��t, mit Krieg. Sie sagen, da� sie auf das, was die Staaten in ihren Au�enpolitik doch jetzt schlecht und recht beherzigen, n�mlich da� sie sich gegen die USA nichts trauen, etwas draufsatteln. Sie drohen nicht blo� mit Abschreckungskrieg f�r die Maxime, da� die Staaten sich an ihre Vorschriften im internationalen Verkehr halten, sondern auch f�r den Anspruch hinsichtlich der Unterdr�ckung antiamerikanischer Umtriebe. Und das machen sie mit zum Bestandteil ihrer milit�rischen Abschreckung gegen die Staaten. Es ist quasi der McCarthyismus auf die ganze Welt angewandt.

Die Rede ist von der amerikanischen Ansage und von dem Mittel daf�r, an das sie die ganze Staatenwelt erinnern. Die Durchsetzung der Sache ist noch eine ganz andere Aff�re. Es ist zun�chst eine Ank�ndigung. Und man merkt so vielerlei an der europ�ischen Reaktion. Denn gerade auch in ihrer Anschmiegsamkeit und Totalit�t (�Da machen wir mit, auf uns ist zu 100% Verla�, jetzt ist nicht die Zeit f�r die allerkleinste Differenz, es ist ja auch in unserem eigenen Interesse, diese Terroristenbrut auszuheben.� Man m�chte ja in Zukunft kein unangepa�ter sonstwie aussehender Ausl�nder in Deutschland mehr sein, denn dann f�llt man ja gleich in das Raster, da� man ein Flugzeug demn�chst sonstwohin steuert) wirft das ein Licht darauf, da� die USA in ihrer Definitionshoheit, wer Terrorist ist und was sie f�r ausreichend erachten in Sachen Unterdr�ckung antiamerikanischer Umtriebe, schon doch darauf angewiesen sind, da� ein irgendwie freiwilliges Mitmachen aller anderen Nationen zustande kommt. Pakistan ist jetzt gerade ein Fall, an dem das durchexerziert wird. Und vielleicht machen sie diesen Staat dar�ber sogar richtig kaputt. Das kann passieren, weil darauf gerade der Fokus liegt. Deutschland werden sie nicht kaputt machen, denn Deutschland wird h�chstens immer proamerikanischer in all seinem Antiamerikanismus. Aber wie sollen denn die Russen mitmachen, die gleich mit einer Gegenrechnung hinsichtlich Tschtschenien anr�cken? Die Chinesen deuten gleich auf Umtriebe in Tibet, die bisher von den USA unterst�tzt worden sind. Das sind alles durchaus noch offene Fragen und Rechnungen, die auch mit solch einer Abschreckungsdrohung nicht per se erledigt sind. Das sei nur deshalb in Erinnerung gebracht, um umgekehrt klarzumachen, da� die USA wirklich keine blindw�tigen Schlagetots sind. Wenn der Bush davon spricht, da� das ein �langwieriger Feldzug� wird, dann meint er damit, da� das eine Neuordnung der Welt wird, die die USA erst einmal zustande bringen m�ssen. Das wird ein politischer Proze�, unter dieses Vorzeichen sie den Imperialismus der n�chsten Jahre stellen. Da� sie dar�ber die �lfelder in Zentralasien vergessen, ist nicht zu erwarten. Aber all das bekommt jetzt eine Pr�misse, die lautet Aufstockung des Abschreckungsregimes, das es schon gibt. Welche Kosten sie daf�r � nicht nur - ihrer �konomie aufmachen, ist ja bereits jetzt festzustellen. Die amerikanische B�rse hat sich jedenfalls nicht als besonders patriotisch erwiesen.

Eine Sch�digung der US-Macht, die durch einen neuen Zugriff auf die Welt ausgeb�gelt werden soll

Nachmal zur�ck zum Anfang. Was ist das f�r eine Aktion? Eine Aktion, die gegen eine amerikanische Position einer bislang unterdr�ckten Sache zu ihrem Recht verhilft und dadurch eine amerikanische Position beschr�nkt und eine andere an deren Stelle durchsetzt, das ist die Leistung dieser Aktion todsicher nicht. In dem Sinne ist es ein Attentat, das den Status der Ohnmacht, aus dem heraus dieses Attentat erfolgt, nicht aufhebt. Eine Aktion, die die Gr��enordnung hat, da� es die imperialistische Ordnung der Welt f�r die n�chsten Jahre oder Jahrzehnte, wie jetzt immer hoch gerechnet wird, beeinflu�t, das Zeug dazu hat sie offenbar schon. Nat�rlich nicht die Aktion als solche, aber doch schon die Aktion als Kriegsersatzschlag gegen Amerika in Amerika selbst, nicht blo� als eine Demonstration, sondern als eine Herausforderung, der die Amerikaner allen Ernstes mit einer Eskalation ihres imperialistischen Zugriffswesens begegnen. Das mu� man schon zur Kenntnis nehmen, so gesch�digt sehen sie sich durchaus, da� diese Antwort f�llig ist. Es ist eine Sch�digung amerikanischer Macht, die jetzt auch richtig materiell, also durch eine neue Sorte Zugriff auf die Welt ausgeb�gelt sein will. Man merkt merkt auch ein bi�chen die amerikanische Sorge, ob das nicht wom�glich ihr Regime �ber die Welt relativiert. Sie besorgen sich nicht so sehr darum, ob da� ihr Kriegsmonopol relativiert, da� also die Amerikaner gegen�ber jedem Staat auf der Welt ein Monopol auf Krieg haben, sich also keiner traut, ihnen einen Krieg zu erkl�ren. In der Hinsicht sind sie sich durch den Anschlag wohl nicht unsicher geworden. Aber was das hei�t und da� damit die Kontrolle �ber die Welt feststeht, das ist jetzt zerbrochen und geh�rt jetzt repariert. Und das ist die H�rte der Aktion.

- Insofern ist es doch schon die Aktion als solche, denn da� das amerikanische Gewaltmonopol gebrochen wird, war ja auch bei dem Anschlag in Nairobi der Fall. Aber da war gleichzeitig klar, da� die USA davon ausgehen und wissen, da� ihre Feinde dort, wo sie leben, wie etwa in Nairobi, ihnen m�glicherweise Verletzungen zuf�gen k�nnen, die sie dann auch irgendwie beantworten m�ssen, die sie aber keineswegs selbst in Frage stellen, wohingegen ein Angriff auf Amerika selber eine Infragestellung oder zumindest eine Dem�tigung darstellt, die sie so nicht hinnehmen k�nnen. - (Dem�tigung ist wieder eine solche aus dem Zwischenmenschlichen genommene Metapher. Der Anschlag in Amerika selbst ist eine Infragestellung der Sicherheit der Weltordnung.) - Und da ist doch tats�chlich die Tatsache, da� so etwas geht, der entscheidende Punkt.

Die ist der Witz, und man mu� ja auch sagen, da� sich diese Terroristen in einem Punkt durch Amerika haben belehren lassen: Wenn man pseudo-milit�risch irgendwo zuschl�gt, dann ist es mit Nadelstichen nicht getan. Es ist quasi so, als h�tten sie sich noch einmal das Szenario der Angriffe auf Belgrad angeschaut, n�mlich da� man nur etwas ausrichtet und Milsovic nur dann beeindruckt, wenn man in dem Fall �ber 90 Tage Tag f�r Tag die Bombenangriffe eskalieren kann. Das macht Eindruck. Deswegen sind die ja wohl auch auf die Idee verfallen, da� nur 1 Flugzeug nicht ausreicht, und zwar nicht blo� aus Gr�nden der Redundanz, also damit mindestens 1 durchkommt. Es sollte die Qualit�t einer kriegerischen Infragestellung der amerikanischen Weltordnung bekommen.

Die andere Seite davon ist, da� ein neues Recht dagegen aufzupflanzen, wie ein erfolgreicher Staat es gemacht h�tte, indem er etwa die Amerikaner von der Okkupation des Kosovo abschreckt, nirgends in Sicht ist. Im Gegenteil, keiner wird sich trauen zu sagen, da� die Amerikaner jetzt an dieser oder jener Stelle nachgeben sollten. Aber die Infragestellung dieses Sicherheitsmonopols in der Welt ist jetzt auf dem Tisch. Die amerikanische Reaktion degradiert alles Vorhergehende, das mit Nairobi bereits angesprochen war, aber auch den Anschlag auf das Schiff im Jemen etc., zu Vorstufen des Eskalationsbeschlusses, der jetzt f�llig ist. Mit Eskalation ist jetzt nicht gemeint, da� in immer gr��ere Kriege hineingeschlittert w�rde, sondern der Anspruch, den man an die Staatenwelt hat und durchsetzen will, wird eskaliert.

- Es war die Frage in der Debatte, was mit den beiden Anschl�gen denn jetzt wirklich getroffen ist. Der eine sagt, da� es doch blo� ein Symbol sei, ein anderer dagegen, da� doch immerhin ein Teil des Finanzzentrums und des Apparates, das das amerikanische Milit�r organisiert, zerst�rt sei. Deshalb ist die amerikanische Weltmacht �konomisch und milit�risch nicht aus der Welt, sie ist aber doch an einem Kernpunkt getroffen.

Es wurde ja bereits versucht zu bestimmen, was da getroffen worden ist. Es liegt zwischen einem blo�en Symbol und dem Untergang der amerikanischen Finanzwelt. Letzteres ist es nicht und es ist auch nicht das Ende des Pentagon, geschweige denn der amerikanischen Milit�rmacht. Es ist eine Besch�digung, die ernstlich ein Sicherheitsproblem aufwirft. Wie umfangreich dieses Sicherheitsproblem dimensioniert ist, merkt man daran, wie die Amerikaner es jetzt definieren, und zwar ganz praktisch dadurch, da� sie es angehen, indem sie sagen, da� Folgendes ... aus der Welt mu�. Da� sie sagen, da� das aus der Welt mu�, ist schon extrem anspruchsvoll. Sie sind jetzt gerade mit der Entdeckung konfrontiert, da� die Unterdr�ckung kriegerischer Umtriebe von Staaten, jedenfalls so weit, da� sie sich nie gegen Amerika richten, die Feindschaft gegen Amerika nicht aus der Welt schafft. Und diese Feindschaft versteht es sogar, sich ihre Mittel zu verschaffen. Jetzt mu� also die Unterdr�ckung antiamerikanischer Umtriebe in der Welt noch �ber die Unterdr�ckung kriegerischer Umtriebe hinaus gesteigert werden. Das ist die Dreifaltigkeit von 1) milit�rischen Mitteln, mit denen die Abschreckungsdrohung gegen die Staaten eskaliert wird, damit die sich f�gen, von 2) quasi-polizeilichen Mitteln, mit denen dann in den Staaten nach geguckt wird, ob dort auch alles Erforderliche passiert, und � das ist die leichteste �bung � von 3) der Herstellung der moralischen Front.

- Die USA macht dem Rest der Welt eine Kriegsdrohung auf, die da lautet, da� sie sich ihrer Weltordnung unterwerfen soll oder sie werden andernfalls zu Schurkenstaaten erkl�rt. Sie beanspruchen, mehrere Kriege gleichzeitig f�hren zu k�nnen, und zugleich soll bei ihnen zuhause selbst nichts, was normalerweise Krieg hei�t, auch nur ann�herungsweise stattfinden. W�hrend sie Krieg f�hren, soll � wie im zweiten Weltkrieg selbstverst�ndlich � zuhause ein ganz normales b�rgerliches Leben weitergehen. Dieser Anspruch, sich in der ganzen Welt Feindschaft einzuhandeln, die man durchsteht, w�hrend man zugleich zuhause von der Feindschaft, die man provoziert, nicht betroffen sein soll, dieser Anspruch ist besch�digt.

Die Feindschaft, die man provoziert, indem man sie selber praktiziert, denn die USA definieren ja Feinde. Wenn gesagt wurde, da� sie von der Staatenwelt die Respektierung ihrer Weltordnung fordern, dann soll das noch einmal pr�zisiert werden. Die amerikanische Weltordnung zu respektieren, bekommt jetzt einen sehr zugespitzten, besonderen Inhalt. Das hei�t eben nicht blo�, von Waffengewalt die Finger zu lassen, soweit Amerika nicht gr�nes Licht daf�r gegeben hat, und ansonsten zivil zu kooperieren. Vielmehr enth�lt das jetzt den zus�tzlichen Anspruch, da� die Staaten in ihrem Inneren aufr�umen. Das ist jetzt in die Definition von Weltordnung mit aufgenommen: Nach innen die Sache unter Kontrolle bringen. Es langt nicht mehr, da� sich Staaten als ordentliche Subjekte auff�hren und im �brigen k�nnen sie im Inneren machen, was sie wollen. Da� das nicht langt, hat sich schon seit etwa 10 Jahren immer mehr eskaliert. Die USA haben darauf gedrungen, da� sie auch Demokratie, stabile Verh�ltnisse wollen. Sie wollen, da� sich die Kooperationsbereitschaft nicht auf eine Regierung beschr�nkt, sondern da� die zur Staatsr�son und vom Volk auch demokratisch gebilligt wird. Das h�tten sie gern, das ist so �hnlich, wie ein Heiratsantrag � jemand soll nicht blo� so tun, als ob er zu einem h�lt, sondern er soll auch voll und ganz daf�r sein. Dieser Anspruch wird unter den Stichw�rtern �Demokratie�, �Menschenrechte�, einzuf�hrender �Marktwirtschaft� ohnehin schon immer massiver an die Staaten heran getragen. Jetzt kommt aber noch ein Sicherheitsgesichtspunkt hinzu, der das alles �berbietet.

- Die deutsche Innenpolitik hat diesen Gesichtspunkt sofort als allgemeine Sicherheitsfrage gegen�ber der eigenen Bev�lkerung aufgemacht. Dennoch: Was treibt denn Schily und Beckstein jetzt um, was sie nicht ohnehin schon die ganze Zeit umtreibt?

Sie denken sowieso alle dasselbe wie bisher, blo� alles noch viel heftiger. Wenn Schily immer schon an Sicherheits�berwachung denkt, dann denkt er jetzt extra scharf daran. Wenn der Beckstein immer schon glaubt, da� Ausl�nder potentielle Schurken sind, dann denkt er jetzt; �Da sieht man�s doch! Man kann nicht vorsichtig genug sein, gerade die Unauff�lligen sind die Schlimmsten.� Man wird sehen, was denen dann im weiteren noch alles einf�llt. Man merkt, auf was f�r einem hoffnungslos verlorenen Posten jetzt die Gr�nen noch rumpiepsen. Sie halten dem Schily das Argument entgegen, da� sie ja f�r alles zu haben w�ren, er m�sse aber wenigsten zuvor zeigen, da� es auch wirklich etwas bewirkt. Das hat sich der Schily wahrscheinlich auch schon gedacht.

Wie moralisches Denken sich einen Reim auf die Tat macht

Noch eine Nachbemerkung. Es ist gar so ersichtlich, wie in einem solchen Fall die Moral funktioniert. Die Kirchen f�llen sich, denn das ist der Einbruch des Ernstes des Lebens. Und wenn dann noch allen Leuten einf�llt, da� es jetzt auf Krieg zugehen k�nnte. Die Aktion selbst hatte ja Kriegsqualit�t, und dann brauchen blo� noch die USA zu sagen, da� das ein �act of war� war, womit dann alle kapiert haben, da� es jetzt ernst wird und der Scholl-Latour-Standpunkt �Schlu� mit Spa�gesellschaft� einrei�t, gem�� dem es jetzt darauf ankommt, da� man einen soliden R�ckhalt moralischer Art hat. Das treibt dann die Leute schon in die Kirche. Aber das ist ja bereits der �bergang in die letzte Sicherheitszone. Erst einmal soll es darum gehen, wie ganz elementar moralisches Bewu�tsein funktioniert, wenn ein solches Attentat vorgezeigt wird. Die Konsequenz ist sofort immer ganz platt auf dem Tisch, wenn in allen Kommentaren ausgesprochen wird, da� sich jetzt Antiamerikanismus verbietet. Darunter f�llt alles, auch jede rein argumentative Kritik an irgendetwas, jeder Einspruch gegen amerikanisches Rumfuhrwerken. Warum denn eigentlich, was ist denn das f�r ein Mechanismus? Jetzt haben wir doch gelernt, da� Steine keine Argumente sind � und ein eingest�rztes Hochhaus ist doch auch kein Argument. Das ist es f�r das moralische Gem�t aber sehr wohl. Wieso schenkt sich denn keiner bei den Opfern das Argument �unschuldig�? Es hat doch niemand behauptet, da� im World-Trade-Center lauter Verbrecher herumlaufen.

- Es ist eben kein Entsetzen vor Gewalt, sondern man kann sich durchaus vorstellen, da� so etwas auch einmal die Richtigen trifft.

Das ist aber bereits der zweite Schritt, der sich dann mit Rache verbindet. Das geht darauf, da� man den Gedanken gleich bei seiner Konsequenz erwischt. Aber zun�chst ist das noch anders gemeint, die Logik ist da noch viel elementarer. An der Kategorie, die sich bei einem solchen Attentat einstellt, merkt man, wie moralisch die Welt sowieso immer gesehen wird. Bei allen solchen Sachen ist sofort die Frage da, die dann schon gleich die Antwort ist: �D�rfen die das?!� Nein, das d�rfen sie nicht, das ist b�se, da wird ein Verbrechen ver�bt. Ein Anschlag, furchtbar. Da� es Unschuldige trifft, ist einfach nur die Ausdrucksweise daf�r, da� man sich diese Aktion als Verbrechen erkl�rt. Die moralische Qualifikation ist dabei auch schon gleich der Begriff der Sache. Das ist das erste. Und das zweite ist, da� die Qualifizierung der Sache als b�se das, was da getroffen ist, heiligt. Das ist der elementare Fehlschlu� des moralischen Denkens. Das Opfer ist durch die Bosheit des T�ters geheiligt. Es verbietet sich Kritik, wenn der, der etwas kritikw�rdiges gemacht hat, jetzt gerade umgebracht worden ist. Das kann man dann Piet�t oder sonst was nennen, aber es ist eigentlich der moralische Fehlschlu�. Um nochmals auf die Leserbriefe zur�ck zu kommen, die dann so gerne aufrechnen, und dazu kommen, da� � das ist dann immer die Logik - Amerika es aber doch letztlich auch verdient h�tte. Wie kommen die darauf? Sie merken und wehren sich dagegen, da� alle moralischen Vorbehalte gegen Amerika durch solch eine Aktion glatt als widerlegt gelten. Wieso gilt denn das als widerlegt? Das ist immer der Schlu� von der verbrecherischen Tat auf die G�te des Opfers. Und wenn der Joffe gegen alle Kennerschaft der muslimischen Welt gerichtet daf�r pl�diert, da� man nun endlich einmal anerkennen m�sse, da� es das B�se an sich gibt, dann merkt man daran, da� das moralische Gem�t die Beurteilung gleich als Abweichung von der Verurteilung qualifiziert. Sachlichkeit ist (objektiv, aber auch) f�r das moralische Denken unvereinbar mit dem moralischen Verdikt, auf das es ankommt.

- Mit der neu aufgemachten Front gegen den internationalen Terrorismus bekommt doch auch die NATO als Milit�rb�ndnis eine neue Qualit�t. Die B�ndnispartner Amerikas werden doch jetzt zu Vasallen des US-Sicherheitsmonopols gemacht.

Letzteres sind sie seit der Gr�ndung der NATO. Jetzt werden sie in dieser Vasallenfunktion perspektivisch mit einer neuen Aufgabe konfrontiert. In Zukunft hei�t es, da� wir als NATO einstehen f�r eine Weltkontrolle, da� alle Staaten bei sich antiamerikanische Umtriebe zu unterbinden haben. Daf�r zu sorgen, ist jetzt perspektivisch der neue Sicherheits-Auftrag f�r die NATO. Was dann noch an Besonderheiten und Eigenm�chtigkeiten der Europ�er �brig bleibt, wird man sehen. Da� die jetzt nicht gleich klein beigeben und sich damit bescheiden, blo� noch Befehlsempf�nger des Pentagon zu sein, ist genau so klar. Das Mitmachen bei den USA bekommt jetzt eine neue Perspektive und das wirft auch f�r die NATO-Partner versch�rft die B�ndnisdialektik auf. Man kann es ja auch so ausdr�cken, da� sie jetzt einmal anders f�r ihre Schmarotzerstellung zur Kasse gebeten werden. Nebenbei: In der ehrenwerten SZ waren sogar solche T�ne zu lesen: Ob die USA im umgekehrten Fall, also wenn so etwas in Europa passiert w�re, eben so solidarisch gewesen w�ren, das h�tte man ja erst einmal sehen wollen. Der Schulterschlu� wird hergestellt, aber wie doppelb�dig der ist, wieviel von Dementi der an sich hat, das lugt an allen Enden und Ecken hervor.

- Zur�ck zum moralischen Bewu�tsein. Wie die Moral funktioniert, hat man bei der Terror�zerst�rungen der Geb�ude in Moskau gesehen, wo ja keine Solidarit�tsbekundungen unterwegs waren.

Daran merkt man: Das Urteil, da� die Opfer die Sache heiligen, gilt nur f�r eine Sache, die zuvor schon als heilig anerkannt ist. Sie rehabilitieren keine verurteilte Sache. Moral ist immer parteilich, anders gibt es sie ja gar nicht. Noch ein kleiner Hinweis dazu: Wieso schreibt denn die Bildzeitung auf ihrer ersten Seite: �Auch deshalb m�ssen wir an der Seite der Amerikaner stehen: 127 Deutsche unter den Tr�mmern.�? Frage man die dann, ob 4000 tote Amerikaner blo� die halbe Solidarit�t verdienen, und die andere H�lfte wird nur geliefert, wenn auch unsere Leute dabei sind, dann w�rde die Bildzeitung gleich sagen, da� das so nat�rlich nicht gemeint sei. Aber es ist ja so gemeint. Unsere und die anderen � da� es irgendwie unsere Jungs sind, das geh�rt schon auch dazu. Das ist die Quelle des Rassismus. Was die Parteilichkeit der Moral betrifft, so ist nichts sch�ner, um die Gerechtigkeit einer Sache zu bebildern, als das Opfer einer b�sen Tat. Das ist allemal auch nur erst die halbe Miete, denn wenn das Opfer ger�cht wird, dann besteht doch die Gefahr, da� das B�se siegreich bleibt, was nicht passieren darf. Das unschuldige Opfer ist vor allem der Auftrag f�r Rache. So setzt sich die Logik fort. Das Opfer ist die Heiligung der Sache, die da angegriffen ist, und ein Auftrag, sie mit Gewalt zu reparieren.

Der Standpunkt der Europ�er

- In ersten Stellungnahmen nach dem Anschlag war auch zu h�ren, da� doch insofern �wir alle� betroffen w�ren, als die Tat doch nicht nur die USA, sondern �das System� �berhaupt habe treffen wollen. Das ist doch noch eine Betroffenheit anderer Art, als es in der Rede vom solidarischen Schulterschlu� mit den USA enthalten ist.

Zu der B�ndnispartnerschaft, die sie jetzt beschw�ren, geh�rt ja auch, da� alle B�ndnispartner Amerikas wissen, da� sie von deren Durchsetzungsmacht abh�ngen. Das wurde oben nicht betont, weil immer gleich auf die andere Seite, n�mlich das Moment von Distanz gezielt wurde. Dem liegt ja zugrunde, da� sie am Arsch der Amis h�ngen, da� also dieses wunderbare kapitalistische Weltsystem die Verteidigung durch Amerika braucht und da� sie davon abh�ngen und leben. In dem Sinne meinen sie es schon ernst, da� es ein Angriff auf ihr eigenes nationales Lebenselixier ist. Insofern sind auch die Bekundungen, da� sie nicht blo� in einer amerikanischen, sondern in ihrer ureigenen Ordnung be- und getroffen sind, keine Solidarit�tsheuchelei. Das geht nicht blo� auf die 127 Deutschen - das ist die moralische Abteilung -, sondern das geht darauf, da� die Weltordnung getroffen ist, in der Deutschland bzw. Europa sich eingerichtet hat. Das ist das erste Wort, und das zweite ist, da� dabei gleich an die Differenz gedacht wird, n�mlich da� wir als Konkurrenten diesem System verbunden sind. Daran merkt man dann auch die Ungleichrangigkeit, n�mlich da� Amerika die F�hrungsmacht ist und da� das System daran h�ngt, da� Amerika die Sache sch�tzt. Umgedreht: Wenn sie gleich sagen, da� wir am World-Trade-Center mit betroffen sind, dann ist es die Schw�cheerkl�rung der Europ�er, da� sie allein sich zu einer alternativen Weltordnungsmacht nicht in der Lage sehen. Jetzt basteln sie zwar an ihrem Euro rum und k�nnen da auf einmal registrieren, da� der glatt 3 Cent teurer wird. Aber diese 3 Cent mehr machen Europa noch nicht zu einer m�glichen Alternative f�r Amerika. Das Bewu�tsein, da� sie keine Alternative sind, spricht als erstes aus den Betroffenheitsbekundungen, die dann aber gleich davon gekennzeichnet sind, da� sie Konkurrenten sind, die eine Distanz erkennen lassen und mit gefragt sein wollen, wenn die Amerikaner das N�tige tun. Die Differenz merkt man auch daran, da� die Europ�er ja glatt, auf Basis des amerikanischen Imperialismus versuchen, ihr eigenes S�ppchen zu kochen. Ein eigener Standpunkt zum nahen Osten, ein eigener Umgang mit den Schurkenstaaten findet immer auf der Basis statt, da� Amerika erst einmal die Grundlinien der strategischen Sortierung vorgibt. Die Europ�er wollen dann immer etwas Integratives, Einvernehmliches, Beschwichtigendes draufsetzen, als h�tten sie in der Manier des alten Umspringens mit dem Ostblock ein Muster auch f�r die neue Zeit. Damals standen die USA immer f�r die Weltkriegskonfrontation gerade, w�hrend die Deutsche Osthandel machten und behaupteten, da� sie den Osten zersetzten, indem sie an ihm verdienten. Das war den USA auch nicht immer recht, man denke nur an das ber�hmte Erdgas-R�hren-Gesch�ft. Auch damals war es die Muldenschleicherlinie der Euros, als erstes zwar die Feindschaft mit zu machen, aber innerhalb dieser Feindschaft sich dann ihr Nest zu bauen. Und das merkt man an dieser Front nun auch gleich, die sich als Sorge vortr�gt, da� sie ja daf�r w�ren, da� die USA eine terrorismusfreie Welt herstellen, aber wenn die das machen, dann kommen erst einmal Sachen auf uns zu, die wir �berhaupt nicht m�gen. Sie tun dabei immer so, als wenn sie davon nicht betroffen w�ren, wenn sie selbst die Weltordnung machten. Wenn die USA schon sagen, da� sie in der ganzen Welt ordnungsstiftend t�tig werden k�nnten, wobei Feindschaften unterdr�ckt bleiben und schon gar nicht ihr Mutterland erreichen � das war ja bis neulich der amerikanische Sicherheitsstandpunkt -, dann denken die Europ�er schon dreimal, da� sie im Schlepptau der Amerikaner durch die ganze Welt schwimmen, wobei sie aus dem Beiboot ein paar Almosen spenden. Sie haben dann daf�r die Sicherheit, da� ihnen niemand etwas �bel nimmt. Welchen Staat auf der Welt g�be es, von dem die Deutschen � die deutsche Regierung zuerst - denken w�rden, da� dieser Staat ihnen etwas �bel nehmen k�nnte?! Allenfalls noch bis neulich das Serbien vom Milosevic, aber sonst? Die USA haben noch mehr Bewu�tsein davon, da� sie sich Feinde schaffen, als die Deutschen ein Bewu�tsein davon haben, da� sie beim Mitschwimmen in dieser Weltordnung Feinde haben. Und jetzt denken sie h�chstens, da� sie sich unberechtigt Feinde einhandeln. Das ist wirklich der Gipfel der Selbstgerechtigkeit, da sind einem schon die USA sympathischer, wenn es schon darum geht. Als Schmarotzer eines Henkers durch die Welt zu laufen, um sich dann als Tr�ster von Witwen&Waisen aufzuf�hren, als ideeller Gesamtpfaffe, der noch alle Opfer ber�t � so geht der Fischer durch die Welt. Die USA d�rfen Belgrad zerst�ren und er macht dann den Stabilit�tspakt und ist beleidigt, wenn man ihm nicht auf Knien dankt. Jetzt ist er die Charaktermaske der deutschen au�enpolitischen Macht, verantwortet zusammen mit G7 oder G8 die ganze Weltordnung mit all ihren F�rchterlichkeiten, und wenn sich dann in Genua ein Protest r�hrt, dann ist er der erste, der sagt, da� wir doch alle tr�sten. Alle Anliegen der Genua-Feinde sind doch mir schon ins Stammbuch geschrieben, das ist doch mein ureigenstes Metier. Damit hat er sein moralisches Motiv zu sagen, da� die Polizei dann aber auch aufr�umen soll. So etwas bigottes, wie der Standpunkt der deutschen Politik, das ist welthistorisch einmalig., da sind die Franzosenund Briten schon redlicher auf ihre Art. Die wissen, was sie f�r Rechnungen mit der Welt haben � als alte Kolonialm�chte, die neulich noch herum gew�tet haben. Fischer geht herum, als g�be es nur noch einen Posten, f�r den sich Deutschland auf der Welt zu entschuldigen h�tte, das ist der Kolonialismus von Wilhelm II. Und dann geht er nach Namibia und sagt �Nix f�r ungut. Wir sind heute besser.� Man m�chte mal einen Deutschen sehen, der ein Bewu�tsein davon hat, was dieser Staat heutzutage in der Welt anrichtet! Das wissen sie zehnmal eher bei den USA, w�hrend sie selber nichts tun, als der Welt ihre wunderbare Schwebebahn zu verschenken. Das nur zur Gerechtigkeit in der Imperialismusfrage.

�berall werden Kinder gezeigt, denen man die Bilder von New York nicht mehr zeigen soll, weil sie sonst so durcheinander kommen. Da� die Kinder so durcheinander sind, wird dann noch gelobt. Sie malen auf ein Schild, da� Attentat b�se ist und Krieg nicht sein soll. Die Amis tun ihnen leid, aber bittsch�n keinen Krieg. Ja, welches Kind mag schon gerne Krieg. Blo� sind sie ganz von allein auch nicht darauf gekommen und die Quelle dieser Indoktrination, da� wir felsenfest zu den Amis stehen, uns aber Krieg bittsch�n erspart bleiben m�ge, stammt genau aus diesem Schmarotzerbewu�tsein. Wir sind das Beiboot der amerikanischen Weltmacht, aber als solches sind wir die personifizierte Unschuld. In Mazedonien schreiten wir ein, aber sobald es an die Gewaltfrage geht, sammeln wir nur Waffen ein, die die UCK uns freiwillig abliefert. Das �brigens ist das, was den Scholl-Latour so aufregt. Der m�chte gerne, da� es hierzulande mal wieder so wie bei den Briten oder Franzosen zugeht. Er ist ein Kritiker der deutschen Position vom anderen Ende her und das kann man, wenn man will, als Ehrlichkeit verbuchen.

Sind denn die Franzosen auch gleich in die Kirche gelaufen? Jedenfalls ist typisch, da� die Deutschen reingelaufen sind. Andernorts packt man schon eher die Fahne, den Rassismus offen wieder aus, nach dem man schon wei�, wo die Verbrecher sind und die arabische Rasse unheilbar terroristisch ist, oder so. Sie entsinnen sich dann auf die essentials ihres Nationalismus, der nach der einen Seite hin die Fahne ist, und zu jeder Fahne geh�rt die Ausgrenzung der anderen. Da darf man sich nichts vormachen, das Vorzeigen einer Fahne ist der praktizierte staatliche Rassismus. Da geh�ren n�mlich die einen dazu, und die, die nicht dazugeh�ren, sind dann gef�lligst ausgegrenzt und unterliegen einem sehr praktischen Verdikt. Die Fahne vorzuzeigen, ist die Vorstufe zu dem Schild, das sie dann auch gleich vorzeigen, auf dem blo� steht: �Bomb!� � Schlagt zu! Weg mit den B�sen! Wir wissen: Unamerikanisch = antiamerikanisch = B�se. Wo sitzen die antiamerikanischen Umtriebe auf der Welt?! Und jetzt ziehen die Deutschen die amerikanische Flagge raus � das k�nnte einem Franzosen wahrscheinlich nicht so leicht passieren, da ist ein anderer imperialistischer Geist. Da sei ganz wertfrei gesagt, denn es soll ja keine Betroffenheit erzeugt, sondern nur darauf hingewiesen werden, da� es heute verschiedene Typen des Imperialismus auf der Welt gibt, und es gibt sogar verschiedene Typen von Vasallen-Imperialismus. Da� es so etwas �berhaupt gibt, ist ein Produkt der amerikanischen Weltordnung und der europ�ischen Manier, sich zuzuordnen. Es gibt ja heutzutage sogar etwas solch Absurdes wie einen passiven Imperialismus, also eine Vielzahl von Staaten, die die m�chtigen Nationen einladen, bei ihnen nicht blo� Kapital zu investieren, sondern auch Ordnung zu stiften, per EU bei ihnen f�r geordnete Verh�ltnisse zu sorgen. Das haben wir einmal als passiven Imperialismus gekennzeichnet und das gibt es nach wie vor und ist eine eigent�mliche Erscheinung der Gegenwart. Es gibt aber auch verschiedene Spielarten des europ�ischen Vasallen-Imperialismus. Die deutsche Variante h�lt sich auf interessante Weise st�ndig bedeckt und findet immer ihre Charaktermasken. Diese Variante kann Kriege f�hren und hat daf�r einen Au�enminister, der sich als knatsch-gr�n bezeichnet und an nichts schuld sein will.

Vom Unterschied zwischen Feindschaft und Betroffenheit

Abschlie�end soll nochmals an den einen Unterpunkt erinnert werden, in dem der Unterschied zwischen Feindschaft und Betroffenheit bestimmt wurde. Beides ist nicht dasselbe. Es gibt viele wohlmeinende Leserbriefe in der �ffentlichkeit, die sagen, da� der Anschlag doch aber kein Grund ist, Amerika f�r alles zu entschuldigen, was es sonst so anrichtet auf der Welt. Das ist die h�flichste Fassung. Das ist er ja auch nicht und soll auch nicht so sein. Aber zur Erkl�rung dessen, was da neulich am Dienstag passiert ist und was seither l�uft, tr�gt der Hinweis auf die Vielzahl betroffener Opfer des Imperialismus nicht viel bei. Man mu� im Gegenteil aufpassen, da� man sich damit nicht in ein moralisches Aufrechnungswesen einklinkt, das dann am Endenoch bei �Dresden� endet. Vielmehr mu� man da unterscheiden. Es geh�rt gerade mit zu den wunderbaren Errungenschaften des Imperialismus, das er haupts�chlich Opfer schafft, die total ohnm�chtig sind, und da� er die Opfer, die zu einer Feindschaft f�hig sind, soweit sie sich staatlich aufbauen, erfolgreich unterdr�ckt, so da� nurmehr die Sorte Feindschaft sich bemerkbar macht, die auf pseudo-milit�rische Gro�aktionen jetzt in dem Fall einmal verfallen ist und auf die zur�ckgegriffen hat. Aber das ist die Feindschaft, die es in der Staatenwelt gegen Amerika gibt. Diese Feindschaft ist auch nicht dasselbe wie Kritik, sondern sie kommt ganz ohne eine richtige Kritik am Imperialismus aus � eine falsche, n�mlich da� der US-Imperialismus gottlos ist, haben sie schon alle drauf. Es wird schon sein, da� daf�r die Religion benutzt wird und daf�r Pate steht. Das Entscheidende ist aber, da� das, was sich da an Feindschaft r�hrt � das zeigt die Aktion selbst -, von der Art einer politischer Gegenwehr von Staaten oder von Gruppen ist, die wie ein Staat handeln k�nnen m�chten. Die sehen nationale Rechte, Rechte ihrer V�lkerschaften � man kann auch betonen: Rechte ihrer V�lkerschaften auf Respektierung durch Amerika und den Rest der Welt verletzt. Das deutlichste Dokument daf�r ist die wohlmeinende Erinnerung, die gleich im Anschlu� an dieses Attentat aufgekommen ist: Amerika bekommt demnach gewisserma�en die Quittung daf�r, da� es sich im Nahen Osten rausgehalten hat. Das war eine sehr interessante Einlassung. Amerika hat quasi die pal�stinensisch-israelische Sache laufen lassen, haben sich ausgeklinkt und haben deswegen die Pal�stinenser dem Abschreckungsstandpunkt vom Scharon �berantwortet, was ihnen jetzt von irgendwelchen pal�stinensischen Terroristen heimgezahlt w�rde. Das war � unabh�ngig von dem Datum des 11.September �in den ersten Tagen danach die Haupttheorie, n�mlich der Schlu� darauf, da� das ja auch kein Wunder ist. Das ist deshalb interessant, weil in dieser Anklage gegen Amerika, da� es Ordnungsstiftung im Nahe Osten verpa�t habe, die Anerkennung Amerikas als ordnungsstiftende Weltmacht sogar explizit enthalten ist. Der Standpunkt der Terroristengruppe war das sicher nicht, n�mlich da� sie quasi Amerika h�tten zur Pflicht rufen wollen, im Nahen Osten statt der Israelis aufzur�umen. Dieser Standpunkt, den es z. B. als �gyptischen Vorwurf gleich gegeben hat, ist ein Appell an Amerika, sich als ordnungsstiftende Macht zu bet�tigen und affirmiert total das amerikanische Abschreckungsregime oder �kann man auch sagen � tr�gt dem Rechnung, da� den Israelis anders ohnehin nicht beizukommen ist, als da� Amerika sie zur R�son bringt.

�brigens: Ob die Gleichschaltung, die die Amerikaner vom Rest der Welt verlangen, mit der Gleichschaltung, die Israel in Pal�stina durchsetzen will, so deckungsgleich ist, ist noch sehr die Frage. Der Scharon postuliert eine solche Deckungsgleichheit einfach und praktiziert sie und hat sich auf sein Pluskonto gleich noch einen US-Auftrag f�r sein Durchgreifen gutgeschrieben. Was daraus wird, wird man sehen, denn es kann sein, da� das auseinander geht, n�mlich wenn die Amerikaner zu der Auffassung gelangen, da� man die Pal�stinenser anders behandeln mu�. Daf�r spricht nicht viel, aber die USA k�nnten sagen, da� der pal�stinensische Terrorismus ist nicht von Haus aus antiamerikanisch, sondern prim�r antiisraelisch ist und daher als Antiamerikanismus beseitigt werden k�nnte, weil das eine Feindschaft ist, die nicht notwendig die USA erzeugen. Daf�r spricht in der jetzigen Lage nicht viel und der Scharon liegt sicher ziemlich richtig, wenn er den Standpunkt einnimmt, da� sie doch schon seit dem Fr�hjahr mit den Pal�stinensern veranstalten, was die Amerikaner jetzt mit dem Rest der Welt machen wollen. Das Modell stimmt auf alle F�lle; ob die Anwendung des Modells auf die Pal�stinenser haargenau das ist, was die Amerikaner wollen, da ist der Scharon sich sicher, aber es bleibt abzuwarten, ob die USA das auch in der Zuspitzung so sehen. Denn jetzt wird ja auch wieder an der Golfkrieg erinnert, bei dem den Amerikanern auch an dem Schulterschlu� mit den arabischen Staaten gelegen war, wof�r man denen denn auch irgend etwas bieten mu�. Denn ums Berechnen kommen die Amerikaner auch bei ihrem Kreuzzug nicht herum, obwohl mit dem Kreuzzug zun�chst einmal das Ende aller Berechnungen angesagt ist. Ansage und Durchsetzung der Sache ist nicht dasselbe. Die Ansage sagt, da� jetzt das Berechnen aufh�rt und es jetzt nur gut oder b�se gibt, aber diesen Standpunkt so durchzusetzen, da� sie gegen den Rest der Staatenwelt berechnungslos r�cksichtslos verfahren, das schaffen auch die USA nicht. Dem Nationalismus, den man f�r seine Sache funktionalisieren will, mu� man irgend etwas bieten. Aber vielleicht probieren sie es jetzt ja einmal, ihm blo� eine Kriegsdrohung zu bieten. Das geh�rt also noch zu den offenen Fragen.

- Jetzt macht doch auch die T�rkei der EU eine analoge Rechnung auf. Die T�rkei deshalb nicht in die EU aufzunehmen, weil sie die Menschenrechte nicht ordentlich akzeptiert, wenn sie die Kurden als Terroristen bek�mpft und die Fundamentalisten unterdr�ckt, da soll sich die EU nochmals �berlegen, ob sie das als Argument aufrecht erhalten kann. Sie sollte daf�r doch umgekehrt dankbar sein.

Daran merkt man, wie jetzt alle Staaten, die eine Terroristen-Aff�re haben, versuchen, ihre Drangsal jetzt einzubringen. Das entspricht sehr analog dem Vorgehen der Russen und ist wahrscheinlich auch genau so erfolglos. Es ist nicht anzunehmen, da� sie damit in Europa gro� Eindruck machen, aber sie versuchen es alle.

Was das Zusammenwirken der Notenbanken nach dem Anschlag und die sich abzeichnenden Ma�nahmen danach anbelangt, so kann man da nicht von einer durch die USA initiierten Gleichschaltung der Staatenwelt reden, denn da ist man auf einem Feld, auf dem die interessierten Kalkulationen der Staaten einfach dahingehend konform gehen, da� man das Bankenwesen aufrecht erh�lt und die Weltwirtschaft betreut. Jenseits aller Konkurrenz sollen erst einmal die Bedingungen des Konkurrierens gesichert sein. Die daf�r erforderliche Gleichschaltung bringen die drei Instanzen, die daf�r wesentlich sind � die FED, die EU-Zentralbank und die japanische Nationalbank -, sehr freiwillig zustande.

- Jenseits der Frage der Bedingungen des Konkurrierens werden doch auch die erschiedenen Konkurrenzpositionen durcheinander gebracht. Die Europ�er bef�rchten doch, da� Staaten durcheinander gebracht werden, mit denen sie gute Kontakte haben oder versuchen, solche Kontakte gerade aufzubauen.

Sofern das �konomische Auswirkungen hat, die jetzt noch gar nichts absehbar sind, so geh�rt das in das Kapitel, bei dem man mal wieder sehr daran erinnert wird, wie sehr Gewaltfragen in der Welt Bedingungen f�rs Geldverdienen sind. Davon, wie die USA jetzt zuschlagen, was sie alles zum Feind erkl�ren und was sie alles an friedlichen Umtrieben unterbinden oder verunm�glichen, das sind dann die ganzen Pr�missen f�r den Fortgang der nationalen Gesch�fte. Wenn z. B. die USA fordern, da� die Region des kaspischen �ls zu ihrem Aufmarschgebiet wird, was die Russen nicht wollen und mit welcher Region ja auch die Europ�er eigene Kalkulationen aufmachen, so hat man da ein Beispiel daf�r, da� u. U. ein milit�risches Vorgehen �konomische Interessen sch�digt. Dies aber deshalb, weil das die Bedingungen daf�r setzt oder auch u. U. au�er Kraft setzt. Der Standpunkt, da� jetzt Terrorismus-Bek�mpfung Priorit�t hat, kann glatt den �lpreis hochtreiben und viel Gesch�ft kaputtmachen. Aber es sieht ja wirklich so aus, als ob die Amerikaner auch sich selber da keine Relativierung zugestehen w�rden. Daran merkt man, wie sehr sie das selber als Kriegsfall ernst nehmen, n�mlich wenn wirklich die �konomische Berechnung endet und es hei�t, da� die erste Priorit�t ihres Imperialismus jetzt Terrorismus-Bek�mpfung lautet, so da� die �konomische Benutzung der Welt dahinter zur�ckzutreten hat. Umgekehrt kann man sagen, da� sich daran zeigen wird, wie ernst sie ihre Weltkriegsdefinition nehmen. Zun�chst einmal sieht alles danach aus.